Geheimnisse von Ostpreußen

Alte Schlösser mit ihren Türmen und Verliese auf dem Spazierweg von der Kant-Insel lassen sich in die Atmosphäre des Mittelalters vertiefen.

Ruslan Schamukow/TASS
Ihre Bekanntschaft mit Kaliningrad ist besser mit der Kant-Insel anzufangen (die war früh als Kneiphof bekannt). Hier gab es eine der ersten autonomen Siedlungen rund um die Burg Königsberg.

Von Osten nach Westen zur Ostsee läuft der Fluss Pregel durch Kaliningrad. Auf der Höhe nördlich vom Ort, wo zwei Flussarme zusammenfließen – Alter und Neuer Pregel – wurde die Burg Königsberg im Januar 1255 gegründet. Das geschah beim Kreuzzug gegen das preußische Heidentum, der zusammen mit dem Großenkel des legendarischen Imperators Friedrich I. Barbarossa tschechischen König Ottokar II. Přemysl und dem Großmeister des Deutschen Ordens Poppo von Osterna vornehmen wurde. Das Flachrelief mit dem Bild von Ottokar befindet sich links an den Königstoren von Königsberg. Dazu kehren wir noch zurück. Nach 20 Jahre entstanden die vereinzelte autonome Siedlung Altstadt südlich vom Schloss und die Neustadt östlich vom Schloss und der Altstadt, die später in Lebenicht umbenannt wurde. Und zuletzt entstand Kneiphof südlich von beiden Städten im Zusammenfluss der Flussarme in den einheitlichen Strom. Kneiphof hat überwiegend die heutige Kant-Insel besetzt.

Jede Siedlung hatte ihre eigene Befestigungssystem, Rathaus, Markt, Wappen, Stempel, Kirchen, Flecken, Feuerwehr und andere Anzeichen der Autonomie. Zum Beginn des 14. Jahrhunderts erhielten die Altstadt, Lebenicht und Kneiphof nacheinander den Status der autonomen Stadt. Die Altstadt wurde dabei zum Mitglied des Hansebundes. Alle drei Städte und der Schloss flossen in die einheitliche Stadt Königsberg am Anfang des 18. Jahrhunderts zusammen.

Kneiphof, der überwiegend von den Kaufmännern bevölkert wurde, war die letzte Stadt, die den Status der autonomen Stadt erhielt. Das geschah am 6. April 1327. Schaut man die Kant-Insel an, ist es einem schwer zu glauben, dass hier mittelalterlicher Kneiphof hineinging, in dem es 14 Straßen (die kürzeste war 68 Zentimeter breit), 2 Plätze und 2 Nebenstraßen gab. Mit restlicher Welt wurde die Stadt mit sieben Brücken verbunden. Auf dem Krämerbrücke wurde schwunghaft gehandelt. Heute ist er durch eine Hochstraße ersetzt. Der Grünebrücke wurde nach der Farbe des Wappens von Kneiphof genannt. Im 17. Jahrhundert bekamen die Königsberger am Grünebrücke die Post. Um keine Zeit zu verlieren, bauten sie daneben die Börse auf. Köttelbrücke, auch Potrochowyj genannt, diente zum Abfallabfuhr. Am Schmiedebrücke siedelten sich die Schmiede an. Der Holzbrücke führte in die Lager auf der Insel Lomse. Der Verkehr ist auch heute auf dem Brücke eingerichtet. Der Hohebrücke (zunächst als Altstadtbrücke bekannt) ist ein Klappbrücke. Der neue Hohebrücke, der 1938 gebaut wurde, erhielt geblieben. Auch der Honigbrücke erhielt geblieben. Er wurde so genannt, weil für seinen Bau die Kneiphöfer mit Honig bezahlten. Die Brücken von Königsberg wurden mit einem alten Rätsel verbunden: wie kann man alle Brücken passieren, indem man jeden Brücke nur einmal durchquert. In 18. Jahrhundert bewies der schweizerische Mathematiker Leonhard Euler, das es unmöglich war. Er schuf die Graphentheorie, indem er über die Aufgabe nachdachte.
Ruslan Schamukow/TASS
Im Jahr 1302 wurde der Dombau in der Altstadt vollendet. Der neue Bischof schätzte das Gebäude als ungenügend grandios ein. Auf seinen Antrag wurde ein Gelände am 13. September 1333 vom Großmeister des Deutschen Ordens für einen neuen Dom gestellt. Der Altstadtdom wurde abgebaut. Aus seinen Steinen kam der Dom in Kneiphof, der man heute auf dem Kant-Insel sehen kann. Für Baustofflieferung wurde in der Wand von der Altstadt die Domtore (wurden 1944 zerstört) gebrochen. Davon führte der Dombrücke in Kneiphof, der nach dem Dombau abgebaut wurde.

Der ursprüngliche Plan beinhaltete den Dom-Burg-Bau. Der Großmeister des Deutschen Ordens sagte die Idee jedoch nicht zu, indem er merkte, es sei ziellos gewesen, die neue Burg zu bauen, die sich einen Flug des Pfeils vom vorhandenen Schloss weit befand. Danach wurden das Fundament erleichtert und die Wanddicke verringert. Im Laufe der Zeit führte das in die Absenkung des Turmteils und der nördliche Turm neigte sich auch auf 45 Zentimeter von der Achse. Deshalb wurde er der Schiefer Turm von Ostsee genannt. Der Dombau dauerte im Unreinen 50 Jahre. Nach seiner Eröffnung dauerten die Arbeiten noch mehrere Jahrzehnte.

Der Königsberger Dom auf dem Kant-Insel ist ein seltenes Beispiel von Backsteingotik (aus Rotstein) in Russland, die in Deutschland und Polen verbreitet ist. Die in diesem Stil aufgebauten Kirchen und Schlösser kommen ohne den bildhauerischen Dekor aus. Die Schönheit ihrer Fassaden ist streng und lakonisch. Es gibt nur deutschen Rotstein und Kunst der Maurermeister.

Der Dom wurde dem sakralen Leib Jesu Christi, der Mutter Maria, Allerheiligen und Adalbert von Prag geweiht. Die Ritter beteten in dem einschiffigen Teil des Doms (den Hohen Priechen) und alle andere Leute in dem dreischiffigen Teil (den Niedrigen Priechen) an.

Der letzte Großmeister des Deutschen Ordens Herzog Albrecht von Brandenburg-Ansbach war mit den Ideen von Martin Luther und der Reformation fasziniert. Preußen wurde zum ersten protestantischen Staat in Europa. 1523 wurde die erste lutherische Predigt auf dem Deutsch im Königsberger Dom gehalten.

1544 gründete der Herzog die Albertina-Universität in Königsberg. Der Dom (zu dieser Zeit schon die Kirche) wurde zur Universitäts-Kirche. In seinem südlichen Turm entstand ein Platz für Bibliothek, die dem Gründer Martin Von Wallenrod zu Ehren als Wallenrodtsche Bibliothek genannt wurde. Neben den Büchern wurden Karten, Globus und Manuscripten dort aufbewahrt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Bibliothek verschwunden. Ein Teil der Bücher vernichtete beim Bombenangriff und Brand, der Rest wurde verteilt. In der Universität in Kaliningrad sind 291 Bände aus den gesammelten Wallenrod-Büchern aufbewahrt.

Am Ende des 16. Jahrhunderts kaufte die Albertina-Universität einen Platz an der Nordwand des Hauptkirchenschiffes vom Dom für die Beerdigung der Professoren aus. Und 1945 rettete ein der Professorengräber den Dom.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts unterrichtete der Gründer der klassischen deutschen Philosophie Immanuel Kant in der Königsbergischer Universität. Er dozierte den Studenten über Logik, Metaphysik, Ethik, Mathematik, Mechanik, Naturwissenschaft und Geographie und parallel arbeitete er an den Traktaten über Erkenntnistheorie, Ethik, Ästhetik, Anthropologie, Religion, Staats- und Rechtsproblematik. Neben seinem klaren Verstand blieb Kant den Mitbürgern mit seinem höchsten Pedantismus in Erinnerung. Mit ihm konnte man die Uhrzeiten wirklich vergleichen. Außerdem verließ er Königsberg niemals in seinem Leben. Wladimir Lenin hielt Kant für den Vorläufer von Karl Marx und Friedrich Engels. Kritik der reinen Vernunft von Kant gehörte zum Pflichtprogramm der Hochschulbildung in der Sowjetunion. Deshalb bewährte die Sowjetische Regierung den Dom vor dem Abbruch, nachdem sie das Kants Denkmal daneben gesehen hatten.

In der Zweiten Weltkrieg brannte der Dom fast völlig von innen aus. Darauf übertrug sich die Flamme aus den zerbombten Nebengebäuden. Von 1992 bis 2005 übernahm der Restaurator Igor Odinzow die Leitung von den Domumbauarbeiten und wurde zu seinem Direktor. Die Gottesdienste werden im Dom nicht abgehalten, es gibt allerdings die orthodoxe und lutherische Kapelle. Im Dom ist das Immanuel-Kant-Museum mit dem Vorkriegs-Dommodell und Harnische geöffnet. Samstags (um 18:00 Uhr) finden die Orgel- und Sonntags Klavier- und symphonische Konzerte statt. Die Orgel in Kaliningrad ist eine der größten in Europa.
Eine andere Sehenswürdigkeit der Kant-Insel, ehem. Kneiphof, ist das Herzog-Albrecht-Denkmal (1490-1568), das 2005 an dem Dom aufgestellt wurde. Das stellt eine Kopie des Denkmals vom Jahr 1891 dar, das nach den Bombardierungen verloren gegangen war. Die Gestalter des Monuments, die kaliningradischen Bildhauer, stellten die neue Figur vom Herzog auf dem Vorkriegspostament auf. Albrecht von Brandenburg-Ansbach verzichtete auf den Katholizismus dem Luthertum zugunsten, niederlegte seinen Meister des Deutschen Ordens und kündigte die Säkularisation der kirchlichen Länder in Preußen an. In voriger Zeit wurde Herzogtum Preußen von Orden zum einzelnen Staat bei Albrecht (aber bei Lebzeiten des Politikers nur als ein Teil von Polen) und die Universität entstand in Königsberg. Der Herzog Von Preußen sammelte die Bibliothek und trug zur Typographie bei.
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In der Sowjetischen Zeiten wurde der Park auf der Kant-Insel angelegt und das Museum für städtische Bildhauerei im Freien eingerichtet. Unter den Statuen, die im Park aufgestellt sind, kann man auch eine von Peter I. finden, der mehrmals Königsberg und genau Kneiphof besuchte. Erstmals war Peter I. beim Bürgermeister Negelein inkognito zusammen mit der Großen Gesandtschaft zu Besuch. Zum zweiten Mal kam er offen mit seiner Frau Katharina I. Dem Plan Herz der Stadt zufolge, der den Abbruch der am wenigsten erfolgreichen Gebäuden Sowjetischer Zeit und den Aufruf zur historischen Bebauung vorsieht, wird der Park auf der Kant-Insel erhalten bleiben. Die Bäume werden so formiert werden, dass sie die Dächer der damals gestandenen Gebäuden imitieren können.
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Eine Vorstellung darüber, was die Kaliningrads Stadtmitte in absehbarer Zukunft nach der Rekonstruktion darstellen wird, gibt der ethnographische Handels- und Handwerkskomplex Fischdorf. Der Honigbrücke führt von der Insel in diese kurze Uferstraße mit drei Häusern, die die Vorkriegsuferstraße imitiert. Aus der Aussichtsplattform mit dem Leuchtturm des Dorfes bietet sich eine wunderbare Aussicht auf den Dom.
Ruslan Schamukow/TASS
Geht man auf der General-Karbyschew Straße etwa einen halben Kilometer hinter dem Fischdorf, dann findet man die orthodoxe (ehem. lutherische) Kreuzkirche. Solche kultischen Gebäuden der 1920-1930 Jahren, die im Art déco aufgebaut sind, gibt es in vielen Länder der Ostsee. Aber die Hauptinteresse stellt nicht nur die Architektur dar. Eine einzigartige Bernsteinikonenwand ist auch sehenswert, die zum Beginn des 21. Jahrhunderts geweiht wurde.

Die riesige Oktoberinsel, auf der sich diese Kirche befindet, damals wurde Lomse genannt. Außer ihren Holzlagern und Tischlereien war sie auch dafür bekannt, dass es hier in der Mitte des 18. Jahrhunderts angeblich Maulbeerbäumer gab, weil die Königsberger die Seidenproduktion einstellen wollten. Aber die Idee wurde nicht entwickelt.
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Im Königstor befindet sich das historisch-kulturelle Zentrum „Die Große Gesandtschaft“. Bei der 750-Jahr-Feier der Stadt 2005 wurde das Königstor als offizielles Symbol des Stadtjubiläums benutzt. Extra zu diesem Tag wurde das Gebäude restauriert und dem Weltmeeresmuseum überlassen. Das Museum bietet eine dauernde Ausstellung an, die der Großen Gesandtschaft des Zaren Peter I. gewidmet ist, und organisiert verschiedene Ausstellungen und Veranstaltungen. Die Fassade des Tores schmücken drei historische Gestalten, die eine große Rolle im Leben von Königsberg spielten: Ottokar II., Herzog Albrecht und Friedrich I. Lassen Sie aber die Skulptur „der preußischen Kater“ nicht außer Acht. Er ist der Beschützer des Tores und der Einheimische der Stadt. Wie die Sage erzählt, bringt diese Statue Glück und Erfolg.

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Zahlreiche Verteidigungsanlagen aus Rotstein können einem auf beiden Seiten der Straße auffallen, während man sich auf der Litauer Wallstraße zum Marschall-Wassilewski-Platz begibt (zu Fuß, mit dem Bus No. 28, 37 oder mit dem Sammeltaxi No. 78 und 80). Hier und da sind Inspektionsgänge, Packhäuser und Garagen sehr häufig anzutreffen. Und sie sind so fest aufgebaut, dass weder das Kriegsgeschehen noch die Zeit herrscht. Auf halbem Wege vom Königstor zum Bernsteinmuseum stehen die Verteidigungskaserne Kronprinz und die Bastion Grollman gegeneinander.

Das neogotische Kronprinz-Gebäude mit dem dicken runden gezackten Turm wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut und zu Ehren künftiges Kaisers Wilhelm I. genannt. Zu unterschiedlichen Zeiten befanden sich die königsbergische Polizei und der Elitetruppe in der Kaserne, wurde die Wehrmachtskasse aufbewahrt. Im Frühling 1945 wurde hier hart gekämpft. Heute gibt es in den Kronprinz-Räumen Büros, Lager, Café und die kaliningradische Seemannsschule, die im Volksmund Schilfe genannt ist.
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Am Platz Marschalla Wassilewskogo steht das Roßgärter Tor, das, wie alle Festungen am Litowskij Wal, in den 1850er Jahren gebaut wurde. In der Tormitte lag die Durchfahrt durch einen breiten, 4m hohen Bogen, wobei zu beiden Seiten je 3 Kasematten angeordnet sind. Am Tor über den Hauptbogen lassen sich Medaillions mit den Köpfen der Generale Gerhardt Scharnhorst (1755-1813) und August Wilhelm von Gneisenau (1760-1831) entdecken. Vor 40 Jahren wurde das Tor restauriert. Heutzutage ist hier das Restaurant Solnetschnyj Kamen (Sonnenstein) geöffnet. In der unmittelbaren Nähe vom Roßgärter Tor befindet sich der Dohnaturm.
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Am südöstlichen Ufer des Oberteiches hielte der Dohnaturm eine Verteidigungslinie der Stadt ( Marschalla-Wassilewskogo-Platz 1). Von der südwestlichen Seite konnte der Wrangelturm diesen Turm unterstützen. Beide Befestigungen sind mit Rücksicht auf Notwendigkeit gebaut Mehrschichtfeuer zu schießen. Der runde gedrungene Turm ist im Durchmesser von 34 m und mit der Höhe von 12 m. Er hat zwei ebenerdige Geschosse, einen Tiefgeschoss und ein Kellersystem. Es gibt hier 42 Kasematten, die enfiladenartig rundherum in zwei Staffeln ausgelegt sind. Bei der Bezwingung von Königsberg im April 1945 war die faschistische Garnison des Dohnaturms eine der letzten, die sich nach den schweren Gefechten ergab.

Seit 1972 befindet sich das Bernsteinmuseum im Turm, der zu Ehren des preußischen Generalfeldmarschalls Friedrich Karl Dohn genannt wurde. Er war Teilnehmer des Krieges mit Napoleon beim russischen Dienst. Was stellt Bernstein dar, welche Eigenschaften er hat, wie er gefördert wird, was aus diesem Stein gemacht werden kann, wie bestimmt man seine Echtheit und was kostet er? Alle diese Fragen sind im Museum zu beantworten. In große Ausstellung findet man alle bestehenden Modifikationen des fossilen Harzes und vielfältigste daraus gemachte Sachen, die den Leuten in den Sinn gekommen sind. Die Ausstellung erfasst den größten Zeitraum vom 4. Jahrhundert v. Chr. bis Anfang des 21. Jahrhunderts. Der riesige Sonnenstein 4280 Kilogramm schwer und die Erzeugnisse aus der Sammlung vom Rüstkammer des Moskauer Kremls sind die besonderen Museumsstolz. Hier gibt es Amulette und Haarkämme, Vasen und Wandfelder, Rohbernstein und Tausende Figuren daraus, sowie Bernsteinsegelschiffe, Pfeifen, Uhren, Preise und Schatulle. Im Museum sind Buch- und Souvenirladen geöffnet.
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Vom Bernsteinmuseum zum Hauptgebäude der Immanuel-Kant-Universität kann man zu Fuß entlang dem unteren Schloßteich gehen und an der südlichen Spitze des Teiches eine Erinnerungstafel darüber finden, dass es hier damals das Haus gab, in dem der Märchenerzähler Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann geboren war (1776-1822). Aber man könnte auch den Sammeltaxi No. 66, 69, 70, 85 benutzen und den Taxifahrer bitten an der Universität-Straße den Halt zu machen.

Neben dem Eintritt in das Hauptgebäude der Universität befindet sich das Bunker-Museum. Es geht um den Luftschutzbunker aus Stahlbeton, der am Anfang des Jahres 1945 in zwei Monate aufgebaut wurde, als der General Otto Lasch (1893-1971) als Führer der faschistischen deutschen Garnison bestimmt wurde. In der Tiefe von 7 m errichteten die Ingenieure der Wehrmacht einen Unterschlupf 42 m lang und 15 m breit und teilten ihn in 21 Räume ein. Außer den Mitarbeitern des Stabes zur Stadtverteidigung und ihren nächsten Unterstellten befanden sich Fernmeldepersonal, Ärzte und Dienstleute hier. Der Bunker wurde mit dem Ventilationssystem erstattet. Drinnen wurden die Fernsprechverbindung, Strom und Kanalisation angeschlossen. Am 9. April nahm Otto Lasch das Ultimatum zur Kapitulation an. Der Befehlsstand diente ihm nur ein Monat.

Im Museum sind dramatische Ereignisse über den Besuch der sowjetischen Parlamentäre in den Bunker, Dioramen über den Stadtkampf und Lebensbedingungen diejenigen rekonstruiert, die sich beiderseits des Frontes befanden. Hier ist über die deutschen Antifaschisten, Tragödie der Zivilbevölkerung von Ostpreußen und das Schicksal der deutschen Kriegsgefangene und Königsberg selbst zu erfahren.
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Nach dem Austritt aus dem Verlies ist sich zum ehemaligen Schlossplatz zu begeben, damals auch der Kaiser-Wilhelm-Platz und nun der Hauptplatz genannt. Dabei könnte man sich auf den riesigen blau-weißen Haus der Sowjets orientieren. An der westlichen Stauwand des Schlosses wurde ein Schild 1904 mit der berühmtesten Aussage des bekanntesten Bewohners Königsbergs Philosoph Kant errichtet: „Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der gestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir“. Die Kopie ist auch heute an der Befestigungsmauer zu finden. Um sie anzusehen muss man auf den Hauptplatz aus einer Unterführung unter dem Lenin-Prospekt treten.

Auf dem Hauptplatz wird nach dem westlichen Schlossflügel gegraben. In der Sommerzeit ist es möglich mit der Schlossführung in einzelne Verliese zu kommen, in denen es, wie es erzählt wird, Schätze und bestimmt das Bernsteinzimmer gegeben sein müssen. Dieses Bernsteinzimmer war während des Zweiten Weltkrieges aus dem Katharinenpalast bei St. Petersburg verschwunden. Eine unbestrittene Tatsache heizt die Gerüchte an: von 1942 bis 1945 befand sich das Bernsteinzimmer im Schloss. Seitdem hat das niemand gesehen.

Ab dem Gründungstag 1255 bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde der Schloss mehrmals umgebaut. Dabei verwandelte er sich aus der Burg in Königsresidenz und dann in Museums- und Verwaltungskomplex. Gotik, Barock, Rokoko, Klassizismus und Romantizismus spiegelten sich in der Architektur und Innendekoration dieses großartigen Gebäudes 100 m lang und 67 m breit wider. Die Spitze der Schlossturm starrte in eine Höhenlage von 84,5 Metern. Einer der Hauptfestsäle des Schlosses wurde als Moskowitersaal zu Ehren der Botschafter von Wassili III. genannt, mit denen Herzog Albrecht wegen Polen auftreten wollte. Dieser Saal war einer der größten in deutschen Ländern mit dem Raum von 1500 Quadratmetern. Ebendaselbst und nicht in Berlin wurde der preußischer König-Kämpfer Friedrich I. im Jahr 1701 gekrönt. Der deutsche Imperator Wilhelm I. wählte die Schlosskirche für seinen Krönungsort. Zum Beginn des Krieges befanden sich die Verwaltungsdienste der Stadt und Ostpreußen, Staatsarchiv, Repräsentationsräume und Museen im königsbergischen Schloss.

Der Schloss war schwer von den britischen Bombardierungen 1944 und von den Stadtkämpfen im April 1945 gezeichnet. 1967 wurden die Wandreste abgebaut. Heute überlegt man sich über die Rekonstruktion des Schlosses in der Stadt: nach dem Programm Herz der Stadt ist das Vorkriegsbild der Stadtmitte zurückzugewinnen.
Ruslan Schamukow/TASS
Die Idee des Ersten Parteisekretärs KPdSU von Kaliningrad Nikolaj Konowalow „auf dem Königsberg die Herrschaft der Räte festzulegen“ kam im Projekt des Architekt-Modernistes Juri Motorin in den 1960-er Jahren zum Tragen. 1970 fing der Bau vom Haus der Sowjets an, wo alle Stadtbeamte sich einrichten mussten. Es wurde angenommen, dass das Gebietskomitee im an den Pregel-Fluss gewendeten südlichen Burg und das Gebietsexekutivkomitee im nördlichen Burg sich platzieren. Das Projekt wurde bis ins Detail durchdacht und die Beamte wussten, wo genau ihre Arbeitszimmer sich befinden werden. Die Innenausstattung wurde gegebenenfalls individuell entworfen. Metallkonstruktionen wurden in Kaliningrad aus belorussischer Stadt Maladsetschna geliefert, Blattholz für Schalung wurde in Finnland gekauft, aus der Moskauer Umgebung wurden Holz-Aluminium-Fensterkonstruktionen angeliefert. Auf der Baustelle fingen die Alumni des Fachbereiches Bauwesen aus dem ganzen Land ihren Arbeitsweg an. Alle Bauelemente wurden gegen Korrosion geschützt, da das Gebäude auf ewig gebaut war.

Zum Jahr 1991 wurde das Haus der Sowjets auf 95% fertig. Darin funktionierten Heizung, Kanalisation und Wasserleitung, wurden 8 Schnellaufzüge und 1 technischer Auszug installiert. Im Nordturm wurde Parkett gelegt und Wände tapeziert und im Südturm musste nur der Bodenbelag gelegt werden. Aber die Sowjetunion löste sich auf und das Gebäude war nicht mehr nötig. Heute ist es ebenso ein Denkmal, und jetzt schon das Denkmal der sowjetischen Architektur. Zum Jubiläum von Kaliningrad wurde das Haus saniert. Aber bislang niemand nahm drinnen einen Platz.
Ruslan Schamukow/TASS
Vom Haus der Sowjets und der Ausgrabung des Schlosses ist auf den Moskowski-Prospekt zurückzukehren und entlang der Victor-Hugo-Straße bis zum Fluss Pregel und Museum des Weltozeans an der Pjotr-Weliki-Uferstrasse zu gehen. Am Museumseintritt sind die Exponate vertäut. Das große Forschungsschiff Witjas leistete Dienst an der Wissenschaft innerhalb 30 Jahren. Insbesondere wurde die Tiefe vom Marianengraben von seinem Bord gemessen (etwa 10’100 Meter). In der Ausstellung vom Witjas sind Geschichte der geographischen Entdeckungen und Seefahrt, sowie die Bernsteinsammlung dargestellt.

Daneben steht ein anderes Schiff-Museum, das 1968 sein Arbeitsleben als Holzfrachter Semjon Kosinow anfing. In zehn Jahre nach dem Stapellauf wurde der Holzfrachter zu wissenschaftlichen Zwecken umgerüstet und dem Weltraumforschungsdienst übergeben. Unter dem Namen Kosmonavt Viktor Patsaev gewährleistete das Schiff Funkverbindung zwischen dem Raumfahrtkontrollzentrum und den Raumflugzeugen.

Auf dem mittleren Schleppnetzfischereiboot SRT 129 sind die Exponate ausgestellt, die mit Geschichte der Fischerei in Russland verbunden sind.

Innerhalb des Gefechtsdienstes bei der Rotbanner-Nordflotte besuchte das dieselelektrische Unterseeboot des Projekts B 413 mehrmals Kuba und Mittelmeer, erreichte den ersten Platz bei den Manövern zur Minenoffensive und heutzutage demonstriert den Besuchern anschaulich, wie Arbeitsleben und Dienst der U-Bootsleute eingerichtet sind. Im Hauptgebäude des Museums sind Pottwal-Skelett und lebendige atlantische Haie im Aquarium, Schiffsmodellsammlung und echter Leuchtturm, Schalentiere und Korallen, persönliche Dinge des sowjetischen Heerführers und Flottenadmirals Konstantin Makarow, Wappen der russischen Marineoffiziere, Bälge, Anker, Münzen, Walfang‑Werkzeuge ausgestellt. Mit einem Wort sollte man hier nicht weniger als eine Stunde verbringen.
Ruslan Schamukow/TASS
Vom Weltmeeresmuseum führt die Straße bis zur Kreuzung der Straßen uliza Marschala Bargamjana und uliza Generala Butjukowa. Wenn Sie dort ein Kleinbus-Sammeltaxi Nr. 4 nehmen, können Sie durch die Reichsbahnbrücke zum linken Ufer fahren. Steigen Sie sofort nach der Brücke aus und gehen flussaufwärts durch die Straße uliza Portowaja. So erreichen Sie das Friedrichsburger Tor. Um den Weg aus der Bucht in die Stadt zu überwachen, wurde in 1657 eine kleine Zitadelle Friedrichsburg gebaut. Die Bastionen an den Ecken wurden mit Smaragd, Rubin, Diamant und Perle benannt. Von diesen Bastionen konnte man nördliche und südliche Seiten von Königsberg schützen. Im Jahr 1697 besuchte Peter der Große hier einen Artilleriekurs. Am Ende dieses Kurses erhielt er vom Oberst Sternfeld ein Diplom, das bescheinigte, dass „Pjotr Michailow“ tiefe Kenntnisse im Bereich der Artillerie erworben hatte. Diese Festung inspirierte Peter den Großen, Kronstadt zu errichten.

Im Friedrichsburger Gefängnis saß einige Zeit Ernst Johann von Biron (1690-1772). Er war enger Vertrauter der Herzogin Anna Iwanowna. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Tor des Forts gebaut. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden in der Nähe Bahngleise verlegt, die Festungsgräben wurden zugeschüttet. Bei den Restaurierungsarbeiten 2000er Jahre wurde das Friedrichsburger Tor neu gestaltet. Heutzutage ist hier das historisch-kulturelles Zentrum „Die Auferstehung der Schiffe“ geöffnet.
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Das Stadtmuseum „Das Friedländer Tor“ existiert erst seit 2002. Es befindet sich in einer gleichnamigen Befestigung, die zum Befestigungsgürtel von Königsberg gehörte. Das Friedländer Tor wurde im Jahr 1862 voraussichtlich nach dem Entwurf des deutschen Baumeisters Friedrich Stüler errichtet. Am Tor sind zwei Skulpturen von Komturen des Dt. Ritterordens zu bewundern. Die Sammlung des Museums ist vor allem dem Stadtleben des Vorkriegsstadt gewidmet. Im Museum „Das Friedländer Tor“ können Sie einen virtuellen Spaziergang durch Straßen des Ostpreußens mithilfe der „lebendigen“ Archivfotos machen.