Die Moskauer U-Bahn (Metro)

Die Moskauer U-Bahn, Metro genannt, ist nicht nur die schönste in der Welt, sondern sie ist die einzige Metro, deren Bau sich nicht nur nach den Vorgaben der vorherrschenden Transportbedürfnisse richten musste. Die 1930er Jahre, in denen die erste Linie der Moskauer Metro eröffnet wurde, waren die Blütezeit der Bauvorhaben Stalins. In Moskau wurde ein Imperium errichtet, und zwar für Jahrhunderte. Die oberirdischen Flächen reichten nicht aus, um diese imperiale Größe zu demonstrieren, unter der Erde hingegen stand umso mehr Fläche zur Verfügung. So entstand eine ganze unterirdische Stadt, schmuckbehangen mit Reichtümern von allen Enden des Landes, ausgeschmückt von seinen besten Künstlern.


Nikolai Galkin/TASS
Im Jahr 1935 war dies die Endstation der ersten Metrolinie. Ihr erster Architekt war der Lieblingsschüler Nikolai Ladowskis, der Architekt Georgi Krutikow. Dieser sorgte in den 1920er Jahren für einiges Aufsehen mit seinem Konzept der „fliegenden Städte“, demzufolge die Wohnviertel und Industriegebiete in der Luft schweben, die Erde hingegen für die Freizeit genutzt werden sollte. Deshalb ist es umso lustiger, dass Krutikows Hauptwerk unter der Erde liegt und uns mit dem großen Reichtum seiner Ausgestaltung, der für die allerklassischste Stalinarchitektur typisch ist, in seinen Bann zieht. Die Säulen sind mit Kadykowka-Marmor von der Krim verkleidet und mit Stuck-Kapitellen gekrönt, diese spiegeln sich an den Wänden in den dunkelrosa gehaltenen Mosaikpilastern. Über den Bahnsteigen befinden sich Übergänge mit Böden aus roten Mettlacher Platten und Wänden, die mit weißem Kohelga-Marmor aus dem Ural belegt sind. Hier geht Funktionalität eine glückliche Verbindung mit Schönheit ein. Der elegante nördliche Rotundenpavillon, ein Projekt Nikolai Kollis mit einem Mosaikporträt Maksim Gorkis ist das letzte Symbol der ersten Baureihe der Metro, als die Ausschmückungen noch minimalistisch und die Ausstattung lakonisch waren.
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Dies ist eine der am prächtigsten ausgeschmückten Metrostationen, ihr Thema ist der Sieg im II. Weltkrieg oder Großen Vaterländischen Krieg, wie er in Russland genannt wird. Ihre Schöpfer, unter ihnen der große Architekt Alexej Schtschussew und der Künstler Pawel Korin, wurden mit dem Stalinpreis ausgezeichnet. Die Station verblüfft durch ihren Paradeschmuck; eine Reihe von Säulen, die mit Bögen verbunden sind, tragen ein hohes Gewölbe mit Stuck, Flachreliefs und Mosaiken, die mit grandiosen Leuchtern beleuchtet werden. Hauptschmuck des Saals sind acht Mosaik-Wandbilder aus Blaufarbenglas und edlen Steinen an der Decke, dies sind Arbeiten Pawel Korins. Die Mosaike zeigen die Geschichte der russischen Siege von Alexander Newski und Dmitri Donskoi bis zum Sturm auf den Reichstag in Berlin. Zwei der Mosaike, auf denen unter anderem Stalin abgebildet war, mussten nach der Abwendung vom Personenkult abgeändert werden, doch glücklicherweise führte Pawel Korin selbst diese Änderungen durch, so dass die Wandbilder ihren künstlerischen Wert nicht verloren. In den Bögen des Gewölbes befanden sich früher Flachreliefs zum Thema „Russische Waffen“, später wurden diese gegen ein goldenes Mosaik getauscht. Die Säulen und Wände der Station sind mit usbekischem Gazgan-Marmor belegt, die Böden mit rotem Granit aus Kusnetschnoje. Im Ganzen ist dies genau die Metro, die in Stalins Vorstellung einem Siegervolk zustand.
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Der Hauptschmuck der Station, die im Jahr 1950 eröffnet wurde, sind die Majolika-Wandbilder in den Nischen der Pfeiler, die verschiedene russische Waffengattungen wie Marine, Panzertruppen und Artillerie mit Profilen von Kämpfern der Roten Armee und Abbildung der Unterscheidungszeichen der Waffengattungen zeigen. Zusammen mit der Marmorverkleidung der Pfeiler und den verzweigten Lüstern, die von Abraham Damski hergestellt wurden, bewahrt sich die Station ihr Paradeaussehen trotz der lakonischen Ausschmückung.
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Die Station Paveletskaya auf der Kolzewaja-Linie ist eines der besten Werke des Architekten Nikolai Kolli mit ihrem klassizistischen Aussehen mit korinthischen Säulen, ganz aus Marmor, an den Säulenecken mit Ornamenten, die aus braunem Marmor auf hellem Kohelga-Marmor eingelegt wurden. Die Zeichnung der Ornamente ist dem Dekor von Stickarbeiten der Völker der Wolgaregion entnommen; die gesamte Station ist der Wolga und den angrenzenden Gebieten gewidmet. Das Mosaik-Wandbild „der Arbeiter und die Kolchosbäuerin“ ist eine Arbeit des uns bereits bekannten Pawel Korin. Durch einen der längsten Tunnel Moskaus wechseln wir auf die Samoskworezkaja -Linie, davor sollte man jedoch mit der Rolltreppe in die Eingangshalle der Station hinauffahren, um sich die Trommelkuppel mit Mosaikfries und dem dekorativen Mosaik-Wandbild „Roter Platz“ über dem Gewölbe der Rolltreppe anzusehen.
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Der Bau der Station Paveletskaya wurde bereits vor dem Krieg begonnen. Obwohl sie auch heute noch eine der schönsten Stationen der Moskauer Metro ist, werden wir sie so grandios nie zu Gesicht bekommen, wie die Architekten sie geplant hatten. Im Jahr 1938 hatten die Brüder Wesnin, die gefallenen Anführer des Konstruktivismus, die Ausschreibung zum Projekt dieser Station gewonnen, sie hatten als Thema für die Gestaltung der Station den Donbass gewählt. Der Hauptschmuck des mit Säulen versehenen Bahnsteigsaals sollten Mosaik-Wandbilder auf dem Gewölbe des Zentralsaals mit dem Motiv „der Donbass – der Allunions-Heizungssaal“ werden, die Skizzen hierzu hatte Alexander Deineka entworfen. Der Künstler Wladimir Frolow setzte das Wandbild alleine im blockierten Leningrad zusammen, verhungerte hier jedoch im Februar 1942. Im Jahr 1943 wurden die Mosaike über die Straße des Lebens, die Versorgungsstraße über den zugefrorenen Ladogasee, nach Moskau transportiert. Da die fertigen Metallkonstruktionen der Station jedoch im okkupierten Dnepropetrowsk lagen, wurde entschieden, das Projekt abzuändern und 8 der 14 Mosaike schmücken nun die Metrostation Novokuznetskaya. Einer der Architekten, die eilig die Station Paweletzkaja fertiggestellt hatten, war Aleksei Duschkin, und seine versteckt in die Bögen eingebauten Leuchter, welche das Gewölbe sanft anstrahlen, sind heute der Hauptschmuck der Station.
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Die Station Avtozavodskaya, die früher Zawod Imeni Stalina hieß, wurde während des II. Weltkriegs gebaut. Die Ausschreibung zum Bau der Station gewann der Architekt Aleksei Duschkin im Jahr 1940. Seine Frau schreibt in ihren Memoiren, dass Duschkin während der Arbeit am Projekt eine Fuge Bachs gehört habe, und es scheint, als ob die grandiose Einfachheit dieses Baus nur von etwas inspiriert worden sein kann, dass von der Größe her ebenbürtig ist. Wie bei der Station Kropotkinskaya tragen hier die Säulenreihe ein weißes Gewölbe ohne Verzierungen, diese Säulen jedoch, die mit Marmor vom Altai aus dem Vorkommen Oroktoj verkleidet sind, sind dünner und höher, wodurch die gesamte Konstruktion luftig und leicht erscheint. Später schrieb Duschkin: „Diese Station mag ich dafür besonders, dass sie wie in einem Atemzug ausgeführt ist. Hier ist das konstruktive Wesen ebenso klar ausgedrückt wie die Reinheit der arbeitenden Form, wie in russischen Kirchen“.

Nach dem Entwurf des Architekten sollte die Station von flachen Leuchtern beleuchtet werden, die im zentralen Gewölbe verbaut werden sollten. Heute hat man sie entfernt und mit normalen Leuchtröhren ersetzt, daher wirkt die Decke flach. Dafür ist das geometrische Ornament der Böden aus schwarzem und grauem Granit original, hier wurde zuerst in der Geschichte der Metro ein Bodenbelag aus Granit verwendet, und später wurden die Asphaltböden der Stationen der ersten Baureihe ebenfalls gegen Granitböden ausgetauscht. Auch die Ausschmückung der Station ist von nicht geringer Bedeutung, insbesondere die Mosaik-Wandbilder „das sowjetische Volk in den Jahren des II. Weltkriegs“, ausgeführt von Wladimir Frolow nach Skizzen zeitgenössischer Künstler, und vier Flachreliefs des Bildhauers Iwan Efimow mit den Titeln „Völker des Nordens“, „Völker des Kaukasus“, „Flieger und Konstrukteure“ sowie „Metallarbeiter und Ingenieure“. Ebenso lohnend ist es, in die Vorhalle emporzufahren, um das grandiose Mosaik-Wandbild aus Marmor zu betrachten, das eine Parade auf dem Roten Platz abbildet, an der zur gleichen Zeit sowohl Panzer, als auch Ritter aus der Sagenwelt teilnehmen.
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Wie alle Stationen, die während des II. Weltkrieges gebaut wurden, ist die Station Novokuznetskaya, im Jahr 1943 eröffnet, dem heroischen Kampf des Sowjetvolks gegen den Faschismus gewidmet. Die bildet sich in der Ausschmückung der Station ab; auf Metallschildern mit Fahnen, auf dem Skulpturenfries aus Gips, das sich über den Pfeilern über die ganze Länge des Zentralsaals erstreckt, wobei die Kämpfer der Roten Armee abgebildet werden, Panzerfahrer, Flieger und Funker. Hauptschmuck des Saals sind jedoch die Mosaik-Wandbilder nach Skizzen Aleksander Deinekas, die ursprünglich für die Station Paveletskaya vorgesehen waren. Auf dem Gewölbe des Zentralsaals fanden nur sieben Wandbilder Platz, nämlich „Gartenbaumeister“, „Stahlwerker“, „Maschinenbauer“, „Baumeister“, „Luftfahrer“, „Skiläufer“ und „Bergmänner“, welches später demontiert wurde. Ein weiteres Mosaik mit dem Titel „Parade der Sportler“ schmückt die Decke des Rolltreppensaals. Die Station ist mit Prochorowo-Balandino-Marmor aus Tscheljabinsk mit geometrischen Einsätzen dunklerer Färbungen ausgestattet: grauer Marmor aus Karkodino im Ural, schwarzer aus Khorwiran in Armenien. Außerdem ist dies eine der seltenen Stationen, in denen die zentrale Reihung der Leuchter erhalten ist, die zur Beleuchtung der Mosaike des Gewölbes notwendig sind.
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Die Architektur dieser Station, das letzte Werk Iwan Fomins, dessen anderes Werk – die Station Krasnye Vorota - wir bereits gesehen haben, ist außerordentlich prächtig. Die Hauptidee Fomins bestand darin, dass die Gestaltung der Station ihr oberirdisches Leben abbilden solle. Die Station ist wie ein Theatersaal mit Säulenkulissen aufgebaut. Fomin schrieb, dass die Station „wie ein Vorsaal des Theaterplatzes dienen und die große Freude der befreiten Kunst aller Völker unseres Landes abbilden solle“. Hier gibt es sogar eigene Schauspieler; die Porzellanfiguren in den rhombischen Caissons des Zentralgewölbes bilden Vertreter der Völker der UdSSR ab, die tanzen und auf Musikinstrumenten spielen.
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Dies ist eine der schönsten und technisch vollkommensten Stationen der Moskauer Metro und die beste unterirdische Arbeit Aleksei Duschkins, die mit dem Grand Prix der Weltausstellung in New York im Jahre 1939 ausgezeichnet wurde. Trotz ihres Namens hat die Station nichts mit Wladimir Majakowski zu tun. Ihr Hauptthema ist der sowjetische Luftfahrzeugbau. In ihrer Tiefe von 34 Metern war es fast unmöglich, einen Säulensaal zu bauen, denn die Säulen hätten den Druck des Gewölbes nicht aushalten können, doch der Architekt löste dieses Problem auf geniale Weise. Er bat Luftfahrzeugkonstrukteure um Unterstützung. Unter Leitung Aleksander Putilins wurden im Werk von Dirizhablestroj bei Moskau, wo Luftschiffe gebaut wurden, Bogenkonstruktionen mit großer Tragbreite aus Edelstahl angefertigt. Um noch mehr Leichtigkeit zu verleihen, wurde in den Kuppeln des Gewölbes Mosaike mit dem Thema „ein Tag im Himmel der Sowjetunion“ angebracht, die nach Skizzen Aleksander Deinekas angefertigt wurden. Dies ist die einzige Station in solcher Tiefe, in der die Decke zu schweben scheint, und wenn man den Blick nach oben richtet, kann man den Himmel und Luftfahrzeuge im Flug erblicken.
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Diese geräumige Station mit ihrer Doppelvorhalle ist dem sowjetischen Sport und dem Stadion gleichen Namens, das sich neben ihr befindet, gewidmet. Die mächtigen Pfeiler der Station sind mit Tagil-Marmor aus dem Ural verkleidet, welcher derartig reich in Zeichnung und Tönen ist, dass er keine weitere Ausschmückung benötigt außer richtiger Anleuchtung, und im marmorartigen Kalkstein, mit dem die Wände verkleidet sind, kann man Versteinerungen der Kreidezeit erblicken, insbesondere Korallen und Mollusken. In die Träger des Zentralsaals sind hölzerne Bänke eingebaut, und die Lehnen der Bänke sind mit einer Zeichnung aus Marmor und Onyx mit einem Streifen des von innen beleuchteten Agamsaly - Onyx dekoriert. Über den Bänken befinden sich Porzellanmedaillons, welche 21 Sportarten abbilden, in denen die Spartakiade der Völker der UdSSR durchgeführt wurde. Prototypen für die Medaillen waren reale Sportler, zum Beispiel die Schlittschuhläuferin Maria Isakowa oder der Fußballspieler Grigori Fedotow.
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Die Station Ploschtschad Revolyutsii wurde im Jahr 1938 eröffnet, und von ihr begann die strategische Linie, die zum heutigen Ismailowoer Park führt; zu dieser Zeit ZPKiO imeni Stalina genannt. Es war geplant, dort ein gigantisches Stadion zu bauen, und unter der Baugrube des Stadions war schon vor dem II. Weltkrieg Stalins Bunker verborgen worden. Die gesamte Arbatsko-Pokrowskaja-Linie streckte sich wie zu einer Parade vor dieser nicht fertiggestellten Baustelle aus. Zu dieser Zeit waren die Metrobauer bereits mit Skulpturen, Flachreliefs und anderen Ausschmückungen vertraut, und die Stationen der Arbatsko-Pokrowskaja-Linie gereichten nicht nur dem Imperium zum Ruhm, sondern erzählten von diesem.

In diesem Sinn ist die erste Station der Linie, Ploschad Revolyutsii, die typischste. Ein Projekt Aleksei Duschkins wurde als Grundlage für die Station gewählt. Dieser hatte geplant, das schwere Gewölbe mit Bögen zu unterteilen, und die Ecken der Bögen mit Flachreliefs zu schmücken. Bei angemessener Beleuchtung schien es, als strebten die Figuren der Flachreliefs nach vorne, als kämen sie aus dem Stein hervor. Die Leitung der Metro entschied jedoch, die Flachreliefs durch große Skulpturen zu ersetzen. Duschkin selbst meinte, dass diese Entscheidung die architektonische Komposition der Station zerstört habe. Heute jedoch sind diese Skulpturen ein wichtiger Teil der Moskauer Folklore geworden; man glaubt zum Beispiel, dass es Glück bringe, dem Hund der Skulptur „Grenzsoldat mit Hund“ die Nase zu streicheln. Heute sind einige Skulpturen buchstäblich zerlöchert, so oft hat man sie gerieben.
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Boris Iofan war vielleicht der bedeutendste Architekt Moskaus, er ist Urheber des Hauses am Ufer, des nicht umgesetzten Palasts der Sowjets, der Pavillons der UdSSR auf den Weltausstellungen, einer davon dient heute als Sockel für „Arbeiter und Kolchosarbeiterin“. In Moskau baute er nur eine Metrostation, dies ist die Station Baumanskaja. Ursprünglich hieß diese Station Spartakowskaja, deshalb wollte Iofan sie im klassischen römischen Stil entwerfen und stellte in die Nischen der Pfeiler die Statuen von Gladiatoren. Da die Station jedoch während des Krieges gebaut wurde, wurden sowjetische Helden wie Partisanen, Rotarmisten, Fabrikarbeiter an die Stelle der Gladiatoren gestellt. Die Pfeiler wurden mit weißem usbekischem Gazgan-Marmor verkleidet, die Nischen mit rotem Porphyr. Es entsteht der Eindruck, dass die Passagiere der Metro hier unter der Aufsicht der ewig wachenden Figuren vorbeigehen.
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Von allen Metrostationen der Stalinepoche kann die Station „Elektrozavodskaya“ wohl als die klassischste gelten; die schweren Pfeiler aus weißem Marmor sind als Gebälk des dorischen Ordens ausgeführt und mit Skulpturen zum Thema „Arbeit während des Krieges“ von Georgi Motowilow geschmückt. Der Hauptschmuck der „Elektrozavodskaya“ ist das Gewölbe. In seine sphärischen Caissons sind über 300 Leuchter eingearbeitet. So rechtfertigt die Station ihren Namen zu Ehren der nahegelegenen „Elektrosavod“, einem Elektrik-Werk. Auch der rote georgische Salieti-Marmor, mit dem die Wände der Bahnstrecke im Stationsbereich verkleidet sind, verdient Aufmerksamkeit, in ihm kann man versteinerte Schalen von Mollusken erkennen, die vor Millionen von Jahren am Ort des heutigen Kaukasus gelebt haben. Die Station Elektrozavodskaya gilt zu Recht als eine der schönsten der Moskauer Metro und wurde im Jahr 1946 mit dem Stalinpreis ausgezeichnet.
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Die weiten Bahnsteige der heutigen Station Partizanskaya entsprechen nicht der gewöhnlichen Stille, die um den Ismailowoer Park herrscht. Die gigantischen Abmessungen der einzigen Station mit drei Bahnsteigen im Land sind damit zu erklären, dass die Metro schneller als die Stadt gebaut wurde. Entsprechend dem Moskauer Generalbauplan sollte hier das neue Herz der Stadt schlagen, hier wurde ein riesiges Stadion für Sportwettkämpfe und Militärparaden gebaut. Das Stadion wurde nicht gebaut, zuerst wegen des Krieges, dann aufgrund der Bodenverhältnisse, und die Station, die von Boris Wilenski entworfen worden war, wurde mit riesenhaften Partisanenfiguren geschmückt und der Partisanenbewegung des II. Weltkriegs gewidmet. Hier sollte die Metro enden, deshalb wollen auch wir unsere Tour beenden.
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Am 15. Mai 1935 fuhr von der Station Sokolniki ein historischer Zug ab, der erste Waggon der Moskauer Metro mit Passagieren. Im Jahr 1937 erhielt das Projekt dieser Station, eine Arbeit der Architekten Nadezhda Bykowa und Iwan Taranow, den Grand Prix auf der Internationalen Weltausstellung in Paris. Hier können wir einen der ersten Siege der revolutionären Metrobauer über die Naturgewalten beobachten, denn um die Station zu bauen, musste das Flüsschen Rybinka, dass die Linie kreuzt, mit Beton gebändigt werden, und es musste dauerhaft Wasser aus dem ständig mit Überflutung drohenden Fließsandboden abgepumpt werden.

Im Feuilleton „M“, der zur Eröffnung der Metro in der Zeitung Prawda veröffentlicht wurden, beschrieben die Satiriker Ilf und Petrow recht genau, wenn auch nicht ohne Ironie, die Eindrücke der verblüfften Moskauer von der Metro:

„Station“ ist hier ein zu bescheidenes Wort. Es sind Bahnhöfe. Dreizehn Bahnhöfe, in Marmor, Granit, Kupfer und verschiedenfarbige Kacheln gekleidet. Die Bahnhöfe öffnen sich ungewöhnlich effektiv, von oben, mit der Höhe von Viadukten, von wo links und rechts die Passagiere auf breiten Rolltreppen auf die Bahnsteige herabfahren. Und auch „Bahnsteig“ ist hier nur ein Wort, das nur den Ort bezeichnet, an dem die Menschen in den Zug steigen. Ihr Aussehen ist keineswegs bahnsteighaft, nein, es sind eher Säle eines Palasts. Höhe, Sauberkeit, das Glänzen zartgrauer oder rosiger, auch marmorierter roter Säulen, das gleichmäßige milchige Licht der strengen Leuchter, polierte Wände...“

Heute können wir Sokolniki mit den allerpompösesten Meisterwerken der Metro vergleichen, und die Station erscheint wie eine Hymne an die Lakonie; es gibt nichts Überflüssiges in der Ausstattung, lakonisch ist der graublaue Marmor der rechteckigen Säulen. Seit 1935 ist die Ausstattung der Station fast unverändert geblieben, wenn man von einem nicht unbedeutenden Detail absieht, nämlich der Beleuchtung. Die Architekten hatten geplant, dass der Raum von zwischen den Säulen hängenden Leuchterkugeln beleuchtet werden sollten, und dass direkt über den Gleisen, in den Caissons der Überspannung der Seitenschiffe, kleine Leuchtkörper aufgehängt wurden. All dies ergab im Zusammenspiel ein weiches, zerstreutes Licht, als ob über der Station ein Schwarm Glühwürmchen schwebe. Heute finden sich anstelle der Leuchter Leuchtröhren, ihr helles Licht verleiht der Station ein moderneres Aussehen, raubt ihr jedoch einen Teil ihres ursprünglichen Charmes.
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Dies ist das erste Metro-Meisterwerk des Architekten Boris Wilenski. Die Hauptbesonderheit der Station ist die eine Reihe Säulen, und nicht zwei, wie in den meisten übrigen Stationen, die in den 1930er Jahren gebaut wurden. Diese sind mit gelbbraunem, marmorartigem Bijuk-Janka-Kalkstein von der Krim verkleidet, dessen Färbung mit der gelben und roten der Kacheln an der Wand korrespondiert. Beiderseits der Säulen, in den Caissons über den Gleisen, befinden sich halbrunde Leuchter, welche die Komposition abschließen. Heute sind diese Leuchter entfernt worden, und entlang der Achse der Säulen ist eine Linie von Leuchtstoffröhren installiert worden, und trotzdem liegt die Station noch in einem angenehmen Halbdunkel, welches die Schönheit des Steins unterstreicht. Die Station Krasnoselskaya gehört zum Register der Objekte des Kulturerbes.
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Die ursprüngliche Vorhalle des nördlichen Eingangs in die Station Komsomolskaya war ein Gebäude, das mit hellem Marmor und rotem Granit verkleidet war, mit einem zentralen Deckenstück von Wladimir Faworski und dem monumentalen Wandbild „Vorwärts zu neuen Siegen!“, dass den Eintretenden an der Wand begrüßt. Heute befindet sich hier ein noch grandioserer Bau, der vom großen Aleksei Schtschussew als sein letztes Projekt entworfen wurde und wofür der Architekt posthum mit dem Stalinpreis ausgezeichnet wurde. Die Vorhallen der ersten Stationen der Metro sollten Wunder sein, Paläste, die den Eintritt in ein unterirdisches Zarenreich freigaben. Die Station Komsomolskaya ist in diesem Sinn besonders wichtig, denn dies war die erste Station, die die Gäste der Hauptstadt zu Gesicht bekamen, die von den drei Eisenbahn-Bahnhöfen ankamen. Die Station musste einfach beeindruckend ausfallen, und beeindruckt auch heute noch.

Die architektonische Hauptbesonderheit der Station Komsomolskaya sind ihre Balkone, die sie über den Gleisen umgeben, mit Brücken zwischen ihnen und Treppenabgängen. Die Balkone entstanden hier nicht der Schönheit zuliebe, sondern waren notwendig, denn die Station wurde von Anfang an für große Passagierströme geplant, und zum Vermeiden von Drängeln musste ein eigener Passagierteiler erdacht werden. Die Säulen der Balkone sind mit Prochoro-Balandino-Marmor aus Tscheljabinsk verkleidet, die Säulen der eigentlichen Station mit roségoldenem Tschorgun-Marmor von der Krim. Die Embleme des KIM, der kommunistischen Jugendinternationale, auf den Bronzekapitälchen erinnern an die Heldentaten der Komsomolzen, welche die Station erbaut haben. Ihnen zu Ehren hängt hier auch das Majolika-Wandbild von Jewgenij (Eugène) Lanceray „Metro - Bauarbeiter“ im Vorsaal der Durchgangs zur nördlichen Vorhalle; das erste, aber wie wir bereits wissen bei weitem nicht das letzte Muster künstlerischen Schaffens an den Wänden der Metrostationen.
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Die Metrostation Krasnye Vorota, erklärtes Denkmal des kulturellen Erbes und mit dem Grand-Prix der Weltausstellung 1937 in Paris ausgezeichnet, ist ein Meisterwerk nicht nur des architektonischen, sondern auch des Ingenieursdenkens. Vor allen sind dies die Vorhallen. Die erste, die als Meeresmuschel stilisiert wurde, ist die bedeutendste unter den erhalten gebliebenen Arbeiten des herausragenden Architekten Nikolai Ladowski. Anfang der 1930er Jahre, der Zeit des Baus der Metro, herrschte in Moskau bereits vollständig der Stil, den wir heute als Stalin-Empire bezeichnen. Für viele Architekten, Vertreter der Avantgarde-Strömungen, war der Bau der Metro eine Möglichkeit, ihr Schwanenlied zu singen. So auch für Nikolai Ladowski, dem Anführer der liberalen Bewegung der Rationalisten. In den 1920er Jahren waren seine Ideen einer neuen Architektur und die von ihm gegründete Vereinigung neuer Architekten (Asnowa) in Mode, in den 1930ern geriet Ladowski unter die Walze des Kampfes gegen den Formalismus in der Kunst, und seine beiden letzten Arbeiten wurden zwei Moskauer Metrostationen. Neben der Vorhalle der Station Krasnye Vorota gelang es Ladowski noch, die Station Dserschinskaja (die heutzutage Lubyanka heißt) zu bauen. Dies war ein wahres Meisterwerk der Avantgarde, in dem der Bahnsteig als Verlängerung des Tunnels erschien. In der Beleuchtung, der Ausstattung, den Pilastern, den fortgesetzten Halbkreisen über das gesamte Wölbung des Tunnels, im Kontrast der leuchtend schwarzen und blendend weißen Elementen wurde die Idee der Bewegung und Dynamik unterstrichen. Es verwundert nicht, dass gerade diese Station nicht bis in unsere Tage erhalten geblieben ist, sondern ihr Aussehen vollständig während der Rekonstruktion in den 1970er Jahren eingebüßt hat. Aber selbst die einzige erhalten gebliebene Arbeit Ladowskis erzählt uns viel darüber, wie die Avantgardisten die Metro sahen, als Welt, die von Wundern und Geheimnissen erfüllt war, und der Eingang in diese Welt wurde entweder zu einer Einladung in einen Kaninchenbau, oder ins Reich Neptuns.

In den 1950er Jahren wurde dem Ausgang, der von Ladowski konstruiert worden war, ein weiterer hinzugefügt, der sich im Keller eines Hochhauses befand. Dieses Hochhaus mit 138 Etagen baute man gleichzeitig mit der zweiten Vorhalle der Station „Krasnye Vorota“. Aufgrund des Untergrunds, der aus weichem Ton und wasserführendem Sand bestand, war die einzige Möglichkeit in diesem Gebiet zu bauen, den Boden einzufrieren und wie Eis zu hacken. Der abgetaute Untergrund wäre unausweichlich aufgeschwommen und hätte das Gebäude in Schieflage gebracht. Deshalb dachten sich die Ingenieure aus, das Gebäude geneigt zu bauen, und als der Unterboden auftaute, stellte sich das Gebäude gerade.

Die Station selbst, obwohl sie ein Meisterwerk des architektonischen Denkens ist – ihre Tiefe beträgt 32,8 Meter, und dies ist die erste Station mit drei, und nicht mit zwei Gewölben, das in einer solchen Tiefe gebaut wurde – wurde leider nicht genauso gut für die Zukunft erdacht. Trotz den Befürchtungen des von den Metrobauern konsultierten amerikanischen Ingenieurs Morgan blieb die Konstruktion der Station, die Arbeit des genialen Iwan Fomin, unter dem furchtbaren Druck des Unterbodens stabil. Die Verkleidung aus wunderschönem rotem georgischem Marmor allerdings hat gelitten und zerbricht nach und nach. Und trotzdem ist dies vom architektonischen Gesichtspunkt eine der schönsten Stationen der Metro, mit einem wunderschönen Bogenportal, der auf sich das Tunnengewölbe trägt, mit dem Zusammenspiel des Schachmusters des Bodens mit dem Marmor der Pfeilerverkleidung, mit den erhalten gebliebenen kugelförmigen Leuchtern.

Der Kunstwissenschaftler Igor Grabar schätzte die Station Krasnye Vorota höher ein als viele andere Bauten seiner Zeit. „Bereits im Projekt bestach der Grundgedanke des Autors durch seine eindrucksvolle Einfachheit, durch die gefundene Lakonie der architektonischen Sprache, die im inneren Sinn klassisch ist, in ihrer logischen Rechtfertigung, aber moderner gemacht, an unsere Tage angenähert. Fomin ist vollständig ohne Säulen ausgekommen, welche die meisten unterirdischen Stationen beschweren, und charakterisierte mit mächtigen, niedrigen Granitpfeilern das Unterirdische des Raums. Mit großartigem Geschmack hat er diesem Raum Eleganz mithilfe von intelligent und passend verwendeten Gurtsimsen und Nischen verliehen. Der Tribut an den Klassizismus, der in den Caissons des Gewölbes gebracht wird, ist hier ganz richtig am Platze, als Gegengewicht gegen den schweren Unterteil. Die Station Fomins ist ohne Zweifel die gelungenste unter allen unterirdischen Stationen der ersten Baureihe“.
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Im ersten Projekt der Station „Biblioteka Imeni Lenina“ sollte dies eine gigantische Gedenkstätte des ruhenden Lenins mit Szenen aus seinem Leben an den Wänden werden. Interessant ist, dass der einzige Schmuck an den Wänden ein Mosaikporträt Lenins ist, das aus Jaspis ausgeführt ist und erst in den 1970er Jahren hinzugefügt wurde. In den 1930er Jahren war das einzige dekorative Element der Parkettboden, im Unterschied zu den Asphaltböden der übrigen Stationen. Übrigens wurde er bald gegen roten und dunklen Granit in Schachmustern ausgetauscht. In allem Anderen blieb die Station unverändert. Hier kann man zum Beispiel die Kugelleuchter sehen, welche die ersten Stationen der Metro beleuchteten und später überall abmontiert worden waren. Die Lakonie der Station, die Strenge ihrer Säulen aus grauem Moskauer Marmor am Eingang und die Einfassung aus gelbem, geflecktem Krim-Marmor sind eine Illusion. In der Marmorverkleidung sind prähistorische Tiere eingeschlossen, Korallen, Mollusken, welche während der Karbonzeit die Meere bevölkerten und die vor Millionen von Jahren dort lebten, wo heute die Krim ist. Das Alter dieser Versteinerungen ist über 70 Millionen Jahre. Viele von ihnen kann man, außer in der Moskauer Metro, bereits nirgends mehr antreffen. Zum Beispiel ist die Gastropoden-Molluske, die in den Wänden dieser Station „wohnt“, 300 Millionen Jahre alt.

Aleksander Fersman schreibt in seinem Buch „Spannende Mineralogie“ unterhaltsam über den Marmorreichtum im Inneren der Metro als die Hauptsehenswürdigkeit der Hauptstadt: „Das helle elektrische Licht beleuchtet eine ganze Kollektion an Marmor, Granit und Kalkstein. An ihnen kann man alle Bau- und Dekorsteine unseres Landes studieren, beginnend von den nördlichen Randgebieten Kareliens bis zu den Ufern der Krim. (...) Wir gehen unter die Erde bei der „Lenin-Bibliothek“. Gelber gefleckter Krim-Marmor schmückt den Eingang, weiter finden sich große achtseitige Säulen aus grauem Moskauer Marmor, mit Kalkspat geädert. Scheiben aus schwarzem Glas umrahmen die unteren Karniese, und auf der Treppe zum Bahnsteig sehen wir im rötlichen Krim-Marmor versteinerte Schnecken, kleine Krebse, die Reste des Lebens uralter südlicher Meere, die vor vielen Dutzenden von Millionen Jahren die gesamte Krim und den Kaukasus bedeckt hatten. Schnell fährt der Metrozug vorbei, wir schaffen es kaum, während der kurzen Standzeit die Marmore zu betrachten. Bei Okhotny Riad, auf den Stationen Dserschinskaja und Kirovskaya, sind wir entzückt über die großen Scheiben gestreiften grauen Marmors aus Ufalej im Ural. Krasnye Vorota empfängt uns mit rotem Tagil - Marmor vom Mittleren Ural, und das Paneel wird immer noch von Wolynsk-Labradorfeldspat mit kleinen „Augen“ umrahmt, die in Blautönen funkeln. Erneut Krim- und Kaukasusmarmor in den warmen Tönen unserer südlichen Kalksteine, erneut graue und weiße Marmore des kalten Urals, erneut graugelbe Kalksteine aus der Gegend von Moskau. Wir vergessen die riesigen Zeiträume der Geschichte unserer Erde, die sich langsam und nach und nach aus einem roten Stern in unsere kleine Erde verwandelt hat, in diese winzig kleine, verlorene Welt unter Millionen von Sternen, Sonnen und Nebelformationen!“.
Nikolai Galkin/TASS
Die laut Bauplan letzte Station der Kolzewaja-Linie wurde nicht mehr unter Stalin, sondern unter Chruschtschow fertiggestellt. Er wünschte, dass die Moskauer Metro neben Sportlern, Revolutionären und Metroerbauern auch Ukrainer rühmen sollte. Von allen Projekten gefiel Chruschtschow am besten die Skizze ukrainischer Architekten mit goldenen Ährengarben aus Stuck und mit Blaufarbenglas ausgelegten Mosaiken zum Thema der Freundschaft zwischen dem russischen und ukrainischen Volk. Die Station Kievskaya der Kolzewaja-Linie ist die einzige, wo dieser reiche Kolchosenstil gezeigt werden konnte, später ordnete Chruschtschow selbst an, keine Volksmittel mehr für die Ausschmückung der Metro zu „verschleudern“.
Nikolai Galkin/TASS
Das erste unterirdische Werk des genialen Aleksei Duschkin, des Architekten, dem wir am meisten verpflichtet sind für das moderne Aussehen der Metro und für ihre schönsten Stationen. Dieses Projekt erhielt den Grand Prix auf der Internationalen Weltausstellung in Paris 1937 und Brüssel 1958, und im Jahr 1941 bekamen die Urheber kollektiv den Stalinpreis für die Architektur und den Bau verliehen. Für den Architekten Duschkin war das Licht das Wichtigste beim Bau der unterirdischen Stationen. Wir werden zum Beispiel noch sehen, wie er die Beleuchtung hinter farbigen Verglasungen auf der Station Novoslobodskaya versteckt. Die Lösung für die Station Kropotkinskaya ist nicht weniger elegant, in einigem sogar eleganter, denn die Station wird von Leuchtern beleuchtet, die im oberen Teil der Säulen versteckt sind, und zwar in Form von fünfzackigen Sternen, die in die helle Decke übergehen. Diese Idee war nicht nur eine elegante Methode den Ural-Marmor der Verkleidung in seinen Abstufungen herauszustellen. Die Hauptaufgabe der ersten Architekten der Metro war es, die Stationen unter der Erde von dem Eindruck des drückenden, beengten Raumes zu befreien, und die Decke der Station Kropotkinskaya erhob sich gleichsam über ihren Passagieren.

Die Legende lautet, dass Aleksei Duschkin für diese Lösung vom altägyptischen Tempel Amons in Karnak inspiriert wurde. Dessen Säulen ähneln Lotosblüten. Und als sich der Leiter des Metrobaus, Lasar Kaganowitsch, über diesen Vergleich entrüstete, antwortete Duschkin ihm erfindungsreich, dass bei den Ägyptern die Tempel für die Pharaonen gewesen seien, bei uns jedoch für das Volk. Die ganze Paradehaftigkeit der Station ist nicht umsonst, denn sie sollte zum Palast der Sowjets führen, einem grandiosen Gebäude, das am Ort der bereits gesprengten Christi-Erlöserkathedrale erbaut werden sollte. Während des Krieges wurde die fertige Stahlkarkasse des Palasts der Sowjets für Panzersperren und Brücken verwendet, und nach dem Krieg dachte niemand mehr an Paläste. Aber auch die bemerkenswerte, elegante Vorhalle der Station auf dem Gogolewski Bul‘war von Samuil Krawetz erinnert an diesen nicht fertiggestellten Bau, es verliert sich wie beabsichtigt im Schatten des grandiosen Gebäudes, das hier nicht steht.
Nikolai Galkin/TASS
Die Kolzewaja-Linie der Moskauer Metro wurde in den 1950er Jahren erbaut, nach dem Krieg. Hier blühte das Stalin-Empire in voller Kraft auf, und nur elegante Konstruktionen wurden den Architekten zu wenig, es wurden Flachreliefs, Mosaike und weitere Ausschmückungen nötig. Die Stationen sollten nicht nur die Phantasie beflügeln, sondern auch die Geschichte ihrer Epoche erzählen. Dies dauerte nicht lange an, nur bis zu Chruschtschows Weisung „Über die Beseitigung von Verschwendungen in der Planung und im Bau“ des Jahres 1955, die mit einem Schlag alle Schönheit in Architektur und Ausgestaltung verbot. Nichtsdestotrotz sind nicht wenige monumentale Denkmäler dieser Periode bis in unsere Zeit gelangt. Praktisch die gesamte Kolzewaja-Linie der Moskauer Metro zum Beispiel, und besonders die Station Park Kultury.

Der Architekt Igor Rozhin stellte die Station auf massive Pfeiler und durchtrennte diese durch Bögen derart, dass es visuell schien, als ob jeder Bogen auf vier Säulen stände. In die Bögen brachte er Flachreliefs der Arbeit Saul Rabinowitschs ein, welche die kulturelle Freizeit des Sowjetmenschen zeigen mit Schach, Flugzeugmodellbau, Ballett, Musik, Tanz und Fußball. Die Decken des Gewölbes sind mit Stuck geschmückt, der Boden mit Marmorplatten belegt, die Säulen selbst mit grauem Lopot-Marmor. Obwohl viele Kritiker der Meinung sind, dass der graue Marmor die Station visuell erdet und es dem Architekten hätte gelingen können, mehr Luftigkeit zu erreichen, wenn er hellere Farben verwendet hätte, geht die Station ins Register des erklärten Kulturerbes ein und ist unzweifelhaft eines der Meisterwerke des späten Stalin - Empires. Dies ist kein Palast mehr, sondern ein Museum, in dem jedes Detail dafür da ist, betrachtet zu werden.
Nikolai Galkin/TASS
Dies ist die letzte Arbeit des großen Aleksei Duschkin, die wie immer durch die elegante Lösung der Beleuchtung der Station bezaubert. Da die Station tief liegt, 40 Meter unter der Erde, reichten dünne Säulen nicht aus, um das Gewölbe zu tragen, es mussten breite und massive Pfeiler her. Um den Raum vom Eindruck des Eingeengten zu befreien, erdachte Duschkin, dass in die mit hellem Ural-Marmor verkleideten Pfeiler farbige Verglasungen eingesetzt werden sollten, und dass ein Teil der Beleuchtung unter diesen versteckt werden sollte. Es entstand etwas wie eine unterirdische Grotte, ein Berg von Halbedelsteinen, wie aus den Sagen Pawel Baschows. Heute ist die Station deutlich heller erleuchtet, als im Projekt Duschkins, hiervon geht der Zauber ihrer leuchtenden Verglasungen jedoch keineswegs verloren. Die Verglasungen wurden in Riga aus farbigem Glas angefertigt, das in der Kathedrale der Stadt aufbewahrt worden war, und sie bilden die Verflechtung fantastischer Blumen, Gewächse und Sterne ab. Über einigen Verglasungen sind Medaillons eingesetzt, welche Personen intellektueller Berufe abbilden, einen Architekten, Geografen, Künstler, Energetiker, Musiker und Agronomen, und an der Stirnseite des Saals befindet sich das Blaufarbenglaswandbild „Frieden auf der ganzen Welt“ des Künstlers Pawel Korin, eine Mutter mit ihrem Kind auf den Händen. Die Station Novoslobodskaya wurde zu einer Hymne auf ein friedliches, reflektiertes Leben, und ihre massive Vorhalle im antiken Stil mit Säulenportikus ist ebenfalls ins Register des Kulturerbes eingetragen.