Herrenhäuser

Pawel Nowikow/Welcome2018.com
Dieses mächtige weiße Steinhaus aus dem 17. Jahrhundert ist das älteste Denkmal eines Wohnbaus aus Stein in Nischni Nowgorod. Der Legende nach blieb 1695 Zar Peter I. genau hier in diesem Haus beim Kaufmann Jefim Tschatygin für eine Woche während seines ersten Aufenthalts in Nischni Nowgorod, deswegen wird die Villa auch das "Peter's Haus" genannt.

Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Haus zum Lager von Antiquitäten der wissenschaftlichen Archiv-Kommission des Gouvernements Nischni Nowgorod, zur gleichen Zeit wurde die Freitreppe angebaut. In der sowjetischen Zeit befanden sich hier zu verschiedenen Zeiten eine Gemeinschaftswohnung, die lokale Abteilung der Gesellschaft für den Schutz von Denkmälern der Geschichte und Kultur, eine Restaurierungswerkstatt. Jetzt steht das Gebäude leer, obwohl es als Baudenkmal von föderaler Bedeutung geschützt ist.
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Ein weiteres Denkmal der altrussischen Architektur des17. Jahrhunderts, perfekt erhalten. Historiker behaupten, dass von solchen Häusern aus weißem Stein im ganzen Land nicht mehr als zwei Dutzend geblieben sind. In allen Reiseführern wird das Haus einem der reichsten Kaufleute von Nischni Nowgorod Afanasij Olisow zugeschrieben, aber Experten streiten, ob er wirklich mit dem Bau zu tun hatte – es gibt keine glaubwürdigen Beweise dafür. Aber es ist bekannt, dass eben Olisow die benachbarte Mariä-Entschlafens-Kirche gebaut hat.

Bis Ende der 1970er Jahre wurde das Haus bewohnt, und dann, nach der Wiederherstellung, zog hierher das regionale Zentrum für Volkskunst um. Jetzt befinden sich im Haus kirchliche Goldstickerei-Werkstätten.
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Zwei Häuser aus den XVII und XVIII Jahrhunderten wurden von verschiedenen Generationen von Nachkommen von Iwan Puschnikow – einem reichen Kaufmann, der in der Lederindustrie tätig war – gebaut. Diese sind einige der ersten Steinhäuser in Nischni Nowgorod, deren Bau aus massivem, so genanntem großformatigem Stein sich nur sehr reiche Leute leisten konnten.

Ebenso wie das Tschatygin-Haus sind die Puschnikow-Häuser mit dem Namen von Peter I. verbunden: der Kaiser stieg bei den Kaufleuten im Jahre 1722 auf dem Weg zum Kaspischen Meer ab, und könnte hier sogar seinen 50. Geburtstag gefeiert haben. Zur Zeit der Revolution von 1917 wurden die Häuser zur Residenz der Priester – die Anlage wurde der nahe gelegenen Kirche des Heiligen Sergius übergeben. Dann wurden in den Häusern verschiedene Einrichtungen und Organisationen untergebracht. Jetzt werden die Häuser von niemandem belegt, aber begrüßen die Touristen doch in ihrer ganzen Pracht – es ist eine der obligatorischen Haltestellen der Touristenbusse.
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Dieses Haus im neoklassizistischen Stil, mit der zur Uferpromenade zeigenden Säulenfassade, wurde 1912 im Auftrag des Reeders Fjodor Kamenskij gebaut. Sein Vater Michail Kamenskij leitete das städtische Museum für Kunst und Geschichte, die Familie besaß eine beeindruckende Sammlung von Gemälden und anderen Kunstgegenständen, die nach der Revolution als verlorengegangen galt. Das Haus hat lange ein Familiengeheimnis in sich geborgen. Erst 1973, als das Haus vom Institut für Chemie der Universität Gorki der wissenschaftlichen Gesellschaft "Snanije“ („Kenntnis“) übergeben wurde, entdeckte man während der Reparatur unter einer massiven Eichentreppe ein Geheimversteck. Und darin – alle Schätze der Kamenskije, verwahrt für bessere Zeiten. Russisches und sächsisches Porzellan, seltene Statuetten, alte Kronleuchter, Gemälde, Kristall – mehr als 600 Artikel, sorgfältig in Zeitungen aus dem Jahr 1917 eingewickelt. Diese Sammlung wird jetzt in der Museumsanlage für Geschichte und Architektur gezeigt. Das Haus selbst ist ein Denkmal der Architektur föderaler Bedeutung.
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Das Haupthaus des Herrensitzes, der einst ein ganzes Viertel belegte, wurde von dem größten Reeder und Bürgermeister von Nischni Nowgorod Dmitrij Sirotkin bei den Architekten und Brüdern Leonid, Wiktor und Alexander Wesnin in Auftrag gegeben. In die Geschichte der Architektur gingen sie in erster Linie als sowjetische Konstruktivisten und Autoren vieler bemerkenswerter Gebäude Moskaus in diesem Stil (Kaufhaus auf der Krasnaja Presnja Straße, Lichatschew-Palast der Kultur) ein, aber der Entwurf des Herrensitzes in Nischni Nowgorod wurde von ihnen 1916 in ganz anderen, vorrevolutionären Traditionen ausgeführt.

Überraschenderweise blieb der Zweck dieses grau-blauen Hauses mit weißen Stuck, Vier-Säulen-Portikus und luftiger Halb-Rotunde, trotz aller historischen Erschütterungen im Laufe der Jahre, unverändert – wie von Dmitrij Sirotkin konzipiert: hier war schon immer ein Kunstmuseum gewesen. Erst 1992 wurde beschlossen, die größer gewordene Ausstellung in das dem Museum übergebene Gebäude im Kreml zu verlegen und das Haus von Sirotkin wurde für die Renovierung geschlossen, die bis 2009 dauerte.

Jetzt ist in der Villa eine Sammlung westlicher Kunst, und im Nebengebäude – das Gemälde von Konstantin Makowskij "Aufruf von Minin an die Bewohner von Nischni Nowgorod" ausgestellt.

Noch eine erhaltene Villa des Herrensitzes von Sirotkin ist ein Beispiel für eine in unseren Tagen hervorragend ausgeführte Restaurierung. Historiker sagen, dass zum Dank für die Pflege und Aufmerksamkeit das Haus sein Geheimnis offenbart hat: während der Arbeit an der Decke wurden bunte Wandmalereien in den Traditionen der kirchlichen Malerei des 16. Jahrhunderts, das heißt, vor den Reformen des Patriarchen Nikon und vor der Spaltung der russischen Kirche, entdeckt. Die Sache ist die, dass Dmitrij Sirotkin Vorsteher einer der altgläubigen Gemeinden von Nischni Nowgorod war, und im Haus sich ein Gebetsraum befand. Für diese Zeit war es eine einzigartige Geschichte: die Autorität von Sirotkin in der Stadt war so groß, dass sogar der Gouverneur angeblich den Antrag des Metropoliten über die Schließung des altgläubigen Gebethauses vom Bürgermeister ignorierte. Dann – zu verschiedenen Zeiten – wurden in der Villa ein Kinderheim, eine Kunstschule und sogar ein Museum für Atheismus untergebracht. Heute befindet sich dort eine Bankfiliale.
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Dieses Haus mit einem Flügel in einer ruhigen grünen Winkel, wenige Schritte von der Hauptstraße der Stadt Bolschaja Pokrowskaja entfernt, gehörte zur Familie des Literaturkritikers Nikolaj Dobroljubow. Die Familie wohnte im Flügel und das große dreistöckige Haus war ein Mietshaus.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wohnten hier der Schriftsteller Pawel Melnikow-Petschjorskij, der russische Musikkritiker Alexander Ulybyschew, in dessen Wohnung Literatur- und Musikabende veranstaltet wurden und das erste Probespiel des künftigen Komponisten Milij Balakirew stattfand. Genau in dieses Haus kam nach dem Dekabristenaufstand einer seiner Initiatoren, der aus Nischni Nowgorod gebürtige Sergej Trubezkoj. Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich im Haus ein Mädchengymnasium, danach wurde es wieder zu einem Wohnhaus.

Jetzt ist im großen Haus und im Flügel das einzige Gedenkmuseum für Nikolaj Dobroljubow in Russland untergebracht. Hier werden Aufführungen veranstaltet und Teestunden in der Tradition der Familie der Dobroljubows durchgeführt.