Fan-Austausch: Moskau - Liverpool





Fan-Austausch:
Moskau - Liverpool
Ein Sonderprojekt von Welcome2018, in dem sich Fußballfans gegenseitig besuchen




Fan-Austausch:
Moskau - Liverpool
Ein Sonderprojekt von Welcome2018, in dem sich Fußballfans gegenseitig besuchen
Am 26. September empfing Spartak in Moskau in der Champions League das englische Team von Liverpool. Zu diesem Spiel reiste der Liverpool-Fan Tage Herstad in die Hauptstadt Russlands. In Moskau wurde er von dem Rot-Weiß-Fan Nikita Kurjatnikow begrüßt, und am 6. Dezember reiste Nikita zusammen mit Spartak zu einem Gegenbesuch nach England. Über das Treffen neuer Freunde ist der zweite Teil des Sonderprojekts von welcome2018.com „Fan-Austausch" (der erste Teil hier).
Nikita Kurjatnikow, 35 Jahre
Fan von Spartak
Leitet die Agentur Meteor Media, die auf die Produktion von 3D-Grafiken und die Organisation von Fotografien und Videofilmen spezialisiert ist.
Verheiratet, hat eine Tochter. Für Fußball interessiert er sich seit den 90er Jahren und ist seit dieser Zeit Fan von Spartak.
Tage Herstad, 44 Jahre
Fan von Liverpool
Bereitet sich auf die Eröffnung seines Hotels vor, das sich nach den Bedürfnissen von Fußball-Fans orientiert. Das Hotel mit einer Bar befindet sich in unmittelbarer Nähe des Stadions Anfield, in dem die Heimspiele von Liverpool ausgetragen werden.
Verheiratet, hat zwei Kinder. Seit 2004 war Tage bei über 730 Spielen von Liverpool.
„Ich war schon ungefähr fünf Mal in England. Noch im Jahr 1997 war ich zum Schüleraustausch dort."
Seine Reise nach Großbritannien begann Nikita ein paar Tage vor dem Treffen von Spartak und Liverpool in London, wo er seinen Freund Nikolaj besuchte. „Ich war schon ungefähr fünf Mal in England", sagt Nikita. „Noch im Jahr 1997 war ich zum Schüleraustausch dort." In Großbritannien hatte sich der Spartak-Fan deshalb schnell angepasst, außerdem sind Nikita und Nikolaj nach Liverpool über Manchester gereist, wo am Tag zuvor im Old Trafford- Stadion ZSKA Moskau gespielt hatte.

Gleich vom Zug aus ging Nikita, ohne zum Hotel zu gehen, zum Ufer des Flusses Mersey, wo er sich mit Tage verabredet hatte. Hier waren, wie sich herausstellte, bereits viele Spartak-Fans. An der Uferpromenade vergnügten sich einige an den Fahrgeschäften, einige aßen in den kleinen Restaurants, aber die meisten fotografierten sich am Beatles-Denkmal. Die legendären Liverpooler Vier schafften es, sich in „Spartaks Rosen" zu verkleiden. Zum Treffen mit Tage bereitete Nikita eine Überraschung vor - eine Tasche mit den Attributen Spartaks, die der Liverpooler bei seinem Besuch in Moskau vergaß.
Unmittelbar nach dem Treffen setzten sich die Freunde auf die berühmte Fähre von Liverpool, wo ohne Unterbrechung ein Lied über die Opfer der Tragödie im Hillsborough-Stadion gespielt wurde, und machten eine Spazierfahrt entlang des Flusses. Während Tage über die Stadt erzählte, aß Nikita ein klassisches lokales Gericht namens „Scouse" - eine dicke Fleischsuppe mit Kartoffeln. „Deshalb werden Sie Scouser genannt", mutmaßte der Moskauer. „Aber nicht nur deshalb: Scouse ist auch noch der Name unseres Dialektes" erklärte Tage. Dabei lobte der Scouser sein Lieblingsgericht: „das ist Bauch vom Ferkel mit Garnelen, ich liebe es", und aß einen Klops nach dem anderen.

„Mir gefällt es in Liverpool besser als in Manchester und London", sagte Nikita. „Hier ist eine tolle Mischung von Architekturstilrichtungen: dort ist ein moderner Wolkenkratzer, da ist ein geschwärzter Glockenturm und dort ist eine Konstruktion aus einer unbestimmten Periode. Ich mag die Mischung der Epochen. Ich könnte für eine Weile in Liverpool leben. Ich weiß nicht, wie die Leute hier leben, aber ich bin sehr zufrieden hier."
Nach dem Essen kam der berühmte britische Regen. „Nun, dann hast du mehr Zeit zu lernen, wie man Shuffleboard spielt. Soweit ich weiß, ist dieses Spiel in Russland wenig bekannt", sagte Tage und nahm Nikita mit in eine Bar in der Matthews Street, einer beliebten Touristenregion. „Es ist wie Tisch-Curling", teilte Nikita seine Eindrücke über das Spiel. In der Bar war auch eine große Anzahl von Spartak-Fans, die Tage nicht ohne Anmerkung lassen konnte: „Es sind viele von euch gekommen". Der Regen hörte nicht auf, und deshalb beschlossen die Freunde, den Spaziergang durch die Stadt abzusagen und zu Tage zu gehen.
„Ich könnte für eine Weile in Liverpool leben. Ich weiß nicht, wie die Leute hier leben, aber ich bin sehr zufrieden hier."
Als echter Fan von Liverpool ließ sich Tage nur 40 Meter vom Stadion Anfield entfernt nieder. Dort erwartete Nikita eine Überraschung. Im dritten Stock seines Hauses hatte Tage nicht weniger als seine eigene Bar gebaut. Der Tresen harmonierte sehr mit dem Interieur, aber für das russische Auge sah es ziemlich ungewöhnlich aus: ein Sofa, ein Computer, eine Garderobe und ein Bartresen mit aller notwendiger Ausrüstung. Der Gastgeber hatte den Raum mit Zeitungsartikeln und Fotos aus verschiedenen Jahren, die den Siegen Liverpools gewidmet waren, beklebt. An den Wänden und an der Decke hatte er seltene Spieler-T-Shirts aufgehängt. „Hier in dieser Jacke erschien Steven Gerrard erstmals in der ersten Mannschaft auf dem Feld", sagte Tage. „Hier ist ein T-Shirt von meinem Lieblingsspieler Kenny Dalglish". „Und das", er deutete auf eine beeindruckende Komposition, „der Trainingsanzug von Bill Shankly, dem legendären Trainer von Liverpool, zu Ehren von ihm nannte ich meinen Sohn William" (Bill ist die Kurzform von William). „Ja hier bei dir ist es wie in einem Museum! Diese Artefakte müssen viel Geld gekostet haben?" fragte Nikita. „Ja, manchmal muss man für die Liebe zum Club bezahlen", lächelte Tage.
In diesem Moment erschien der zehnjährige William in der Bar. Der freundliche Vater Tage erlaubten dem Gast, seinem Sohn eine Kappe von Spartak zu schenken. „Hör mal, was passiert denn, wenn dein Sohn plötzlich Everton jubelt?", fragte Nikita. „Das wird niemals passieren" antwortete Tage, „er ist doch mein Sohn. Ich habe auch eine Tochter, Tia, ihr Name ist eine Abkürzung: This is Anfield".

„Klasse", beneidete Nikita. „Ich werde bald einen Sohn haben, und ich möchte ihn sehr gerne Spartacus nennen und dann seinen Nachnamen in Moskau ändern. Aber meine Frau erlaubt es noch nicht". In der Hausbar bedient er den Gast mit seltenen Biersorten, von denen eine aus irgendeinem Grund „Breschnew" genannt wurde. „Wahrscheinlich, wegen den Augenbrauen von ihm", entschieden die Freunde. „So eine Flasche ist sehr schwer zu finden, in den Bars verlangt man 12 Pfund dafür", sagte der Besitzer.
„Ich werde bald einen Sohn haben, und ich möchte ihn sehr gerne Spartacus nennen und dann seinen Nachnamen in Moskau ändern. Aber meine Frau erlaubt es noch nicht".
Vor dem Spiel führte Tage die Gäste in eine Bar neben dem Stadion. „In dieser Bar versammeln sich vor dem Fußball die verwegensten Fans von Liverpool, prahlte Tage. Jedoch sind bereits merkwürdige Spartak-Fans hier eingedrungen – die russische Sprache hat sich in der Bar nicht durchgesetzt, aber wurde klar gehört. Gleichzeitig verhielten sich die Spartak-Fans britisch zurückhaltend. Das örtliche Publikum kommunizierte mit Interesse mit den Besuchern, skeptisch belächelten sie die Prognose: „Spartak gewinnt".
Skeptisch lächelte an diesem Abend auch das Glück. Die Rot-Weißen verloren 0:7, was die größte Niederlage in der Geschichte von Spartak wurde. Es blieb nichts anderes übrig, als zurück zur Bar von Tage zu gehen, wo sich schon viele Einheimische versammelt hatten. „Ich habe immer viele Gäste hier nach dem Fußball", sagte Tage. „Einmal waren hier mehr als 50 Leute versammelt. Manchmal kommen sogar die Vertreter des Klubs und die bekannten Spieler aus vergangenen Zeiten und lassen Autogramme hier", - er zeigte auf die Wand hinter der Bar. „Wenn ich einmal wegziehe, muss ich einen Teil von der Wand mitnehmen." Wie um Tages Worte zu bestätigen, kam Bruce Grobbelar die Treppe hinauf, einer der größten Torhüter in der Geschichte Liverpools, er verteidigte das Merseyside-Tor von 1980 bis 1994. „Aber Sie haben 1992 gegen Spartak gespielt", sagte Nikita. „Ja, und verpasste nur vier, nicht sieben", scherzte der Ex-Torhüter.
„Es war sehr cool bei dir. Wie in einem Film gesagt wird, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft."
Zum Abschied der Freunde wurden die Gläser mit besonders gelagertem „Weihnachtsbier" erhoben. „Weißt du, dass wir heute die größte Niederlage in der Geschichte erlitten haben?", fragte Nikita. „Ja, sie haben es mir gesagt", antwortete Tage. „Aber keine Sorge, es wird vorübergehen. Es bleiben die schönen Erinnerungen an den heutigen Tag, meiner Meinung nach hatten wir eine tolle Zeit."

„Es war sehr cool bei dir. Wie in einem Film gesagt wird, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft", sagte Nikita. „Und das alles dank dem Fußball". „Nun, wie sonst", bemerkte Tage. „Fußball verbindet wirklich, und ich habe immer gesagt, dass ich all meine Freunde beim Fußball kennengelernt habe."
Als es Zeit war zu gehen, nahm Nikita das Versprechen von Tage ab, dass er mit Frau und Kindern nach Moskau kommen würde. Der Liverpooler stimmte ohne zu zögern zu und schlug vor, mit dem Auto nach Russland zu kommen und eine Reise durch das Land zu unternehmen: „Wir werden das schon während der Weltmeisterschaft machen!"

DEN KOMPLETTEN VIDEO-BERICHT ÜBER DIE REISE NIKITAS NACH LIVERPOOL KANN MAN HIER SEHEN.