Im Reim mit „Rostow"

Im Reim mit „Rostow"
FK Rostow-Fan und Dichter Sergej Kopin* erinnert sich an die großen Siege seines geliebten Vereins, freut sich auf die Ankunft der Nationalmannschaft von Brasilien in seiner Heimatstadt und liest seine eigenen Gedichte vor
Im Reim mit „Rostow"
FK Rostow-Fan und Dichter Sergej Kopin* erinnert sich an die großen Siege seines geliebten Vereins, freut sich auf die Ankunft der Nationalmannschaft von Brasilien in seiner Heimatstadt und liest seine eigenen Gedichte vor
Ernsthaft für Fußball habe ich mich am 22. Oktober 1975 interessiert. Ich war 13 Jahre alt, und an diesem Tag traf sich in Jerewan im Stadion „Hrasdan" der damalige UdSSR-Pokal-Gewinner „Ararat" mit dem Londoner „West Ham" im Achtelfinale des Europapokals der Pokalsieger. Das Spiel ist in der Erinnerung geblieben, weil die Jerewaner das merkwürdigste Tor erzielten. Der Stürmer Samwel Petrosjan konnte mit dem Kopf den Ball aus den Händen des Torhüters stoßen, der für einen Moment die Kontrolle über ihn verlor, und dann mit einem wiederholten Stoß des Kopfes schickte er ihn ins Tor. Seitdem habe ich öfter Fußballspiele gesehen und bin dann mit meinen älteren Kameraden ins Stadion gegangen. Deshalb habe ich mich 1978, zu Beginn der Weltmeisterschaft in Argentinien, schon als vorbereiteter Fan gefühlt und nebenbei war ich seither Fan für die Nationalmannschaft jenes Landes, die damals den ersten Platz belegte.
Anfang Dezember 2017 kam Sergej zusammen mit anderen Super-Fans nach Moskau, um an der Zeremonie der Endauslosung für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ teilzunehmen. Dort erhielt er ein Ticket für das Spiel Brasilien-Schweiz aus den Händen von Carles Puyol.
Von Beruf bin ich Soldat. Seit 1979 studierte ich an der Rostower Höheren Militärischen Befehls- und Ingenieurschule für Raketentruppen (jetzt heißt es das Rostower Militärinstitut für Raketentruppen) und trat vom ersten Kurs an in die Gruppe der Kadetten ein, die während der SKA-Spiele zum Kordon gebracht wurden. Dies erlaubte mir, viele Spiele des Armeevereins zu sehen, einschließlich der Heimspiele in der Saison des Europapokals der Pokalsieger 1981/1982 gegen die türkische „Ankaragücü" und die deutsche „Eintracht", bei denen unsere Mannschaft insgesamt vier Tore ohne Gegentreffer erzielte.

Doch dann sank SKA zweimal in die Erste Liga, wo seit 1986 acht Derbys gegen „Rostselmasch" ausgetragen wurden, und meine Aufmerksamkeit wurde bereits auf diesen Verein verlagert. Sergej Andreew, der in der gesamten Sowjetunion berühmte Stürmer, wechselte zu ihm. Er war ein großer Stürmer, der im „Maracanã" gegen die brasilianische Nationalmannschaft traf.
Natürlich gibt es in der Geschichte des Rostower Fußballs nicht so viele Super-Siege, die beispielsweise die Moskauer Vereine aufweisen können. Aber es gibt immer noch leuchtende Erfolge in unserer Sammlung
Natürlich gibt es in der Geschichte des Rostower Fußballs nicht so viele Super-Siege, die beispielsweise die Moskauer Vereine aufweisen können. Aber es gibt immer noch leuchtende Erfolge in unserer Sammlung
Und manchmal wurde ich ihr direkter Zeuge. Zum Beispiel erinnere ich mich deutlich, wie am 8. März 1993, im Erstrundenmatch der russischen Meisterschaft „Rostselmasch", dank dem Doppeltreffer von Sergej Balachnin auf schwerem, eisbedecktem Spielfeld, gegen „Spartak" gewonnen hatte. Oder nehmen Sie die zwei Finale des Russland-Pokals. In der Saison 2002/2003 haben wir gegen die gleiche „Spartak" verloren und 14 Jahre später „Krasnodar" geschlagen.
Sergej ist seit 1986 Fan von „Rostow". Damals hieß der Verein noch „Rostselmasch"
Sergej ist seit 1986 Fan von „Rostow". Damals hieß der Verein noch „Rostselmasch"
Das Team hat diesen Erfolg unter der Leitung des montenegrinischen Trainers Miodrag Božović erreicht. Und ich kann keine Worte finden, die meine Gefühle in dem Moment genau beschreiben können, als in Kaspijsk nach dem entscheidenden 11-Meter-Schuss unseres Verteidigers Igor Lolo der Ball die Latte traf und von dieser in das Tor unseres Hauptgegners im südlichen Derby gerollt war. Es war solch ein hohes Maß an Emotionen, dass wir mit unseren Nachbarn direkt ein Fest im Hof unseres Hauses arrangierten. Rostow ist Božović immer noch dankbar für die erste derartige Trophäe in der Geschichte der Stadt, und obwohl er in ein paar Monaten gehen musste, ist er immer noch sehr beliebt in der Stadt.

Genau dieselben Gefühle haben meine Landsleute in Bezug auf Gurban Berdiýew, mit dem unsere Mannschaft der Silbermedaillengewinner der russischen Meisterschaft-2015/2016 geworden ist. Berdiýew kam in der schwierigsten Zeit nach Rostow - im Dezember 2014, als der Verein den letzten Platz belegte. Aber dann ging es gut und nach dem ersten Sieg unter der Leitung des neuen Trainers - über „Kuban" - schrieb ich ein Gedicht, das den Beginn des poetischen Fußballzyklus und zweier Bücher markierte.

In diesem Zyklus sind solche Zeilen:
So ist „Rostow" ohne unnötiges Seufzen,
Um uns zu amüsieren, Bruder,
Nahm auch die Champions League
Und das heimische Silber!

Welche Tür auch immer offen ist
Und was dann auch immer passiert,
Danke den Jungs von Herzen
Und mit ihnen der gesamte Rostower Stab!
Es war im Laufe der Zeit möglich, ein sehr gutes Team mit Sergej Andreew zu schaffen. Aber es geschah viel früher - am Ende des XX. Jahrhunderts, als „Rostselmasch" zweimal in den Intertoto Pokal kam und einmal das Halbfinale erreichte, verloren sie gegen „Juventus". Für Rostow war natürlich ein Duell mit dem beliebtesten italienischen Verein ein historisches Ereignis. Genau dann, am 30. Juni 2009, trotz der Niederlage von 0: 4, erfuhr der Fußball Europas von der Stadt Rostow, und unser Stadion war ein volles Haus.
Wir waren die Begründer einer Art europäischen Trends, der sich auf die Beziehung zwischen den Fans bezieht
Mit den italienischen Fans, die unserem südländischen Temperament ähnlich sind, kommunizierten wir mit Gesten. Natürlich war es zu jener Zeit schwer vorstellbar, dass 18 Jahre später, im Herbst 2016, der Rostower Verein FC Bayern in der Champions League schlug, und ich bin zu diesem Spiel mit Angina und einer Temperatur von über 38 gegangen. Als im März, in der Kälte, den „Manchester United" Fans warme Decken gegeben wurden, war es möglich, in ihren Gesichtern den wirklichen Schock zu sehen. Für die Briten war es eine große Überraschung und, soweit ich weiß, in England warteten schon Geschenke auf die Rostower Fans. Außerdem waren wir die Begründer einer Art europäischen Trends, der sich auf die Beziehung zwischen den Fans bezieht. Besonders erfreulich ist dies in Vorbereitung auf die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™, bei der fünf Spiele in Rostow ausgetragen werden, darunter zwischen dem fünffachen Weltmeister aus Brasilien und der Schweizer Nationalmannschaft.

Übrigens, obwohl ich mich nicht zu den Fans des brasilianischen Fußballs zähle - wie oben erwähnt, bin ich den Argentiniern näher, ich werde auf jeden Fall zu diesem Spiel gehen. Das Ticket für sie wurde mir schließlich nach der Endauslosung der Weltmeisterschaft im Staatlichen Kremlpalast vom ehemaligen Verteidiger der spanischen Nationalmannschaft und vom „FC Barcelona" Carles Puyol überreicht.
Mit den Super-Fans aus anderen Gastgeberstädten der WM 2018 vor der Zeremonie der Endauslosung der WM 2018. Moskau, 1. Dezember 2017
Mit den Super-Fans aus anderen Gastgeberstädten der WM 2018 vor der Zeremonie der Endauslosung der WM 2018. Moskau, 1. Dezember 2017
* - Sergej Kopin (Künstlername Lew Krasotkin) - Gewinner des Nationalen Literaturpreises „Dichter Russlands-2013", Super-Fan aus Rostow bei der Zeremonie der Endauslosung der Weltmeisterschaft am 1. Dezember in Moskau.
Aufgezeichnet von Ewgenij Fedjakow

Bildnachweise:
Welcome2018; aus dem Archiv von Sergej Kopin