Per Anhalter über den Planeten

Große Reise von Moskau nach Los Angeles
23 März 2017
Vor einem halben Jahr kündigte Ilja Maschnin seinen Job und fuhr per Anhalter von Moskau nach Wladiwostok und zurück. Die Reise machte auf ihn einen so starken Eindruck, dass er im August 2016 wieder auf die Straße ging, diesmal war Los Angeles das endgültige Ziel. Maschnin gibt praktisch kein Geld für Unterkunft und Essen aus, hat wie er schreibt, „eine GoPro Kamera, Reisepass, Nagelknipser und einen endlosen Durst auf Reisen“ bei sich. Welcome2018 teilt die besten Geschichten und Fotos von den Touren des Reisenden.

Die Geschichte von Ilja Maschnin begann im Frühjahr 2014. Zu diesem Zeitpunkt hatte er es geschafft, die Hochschule in seiner Heimstadt Zlatoust zu absolvieren, nach Moskau umzuziehen, eine akademische psychologischen Ausbildung zu erhalten und einen Job zu bekommen. Wie er zugibt, wurde er im Laufe der Zeit „müde von der Jagd nach Geld und davon, die müden Gesichter der Menschen in der U-Bahn zu sehen.“ Der Zlatouster beschloss, dieses Problem radikal zu lösen: kündigte seinen Job und startete ein Abenteuer, das seine Weltsicht und Lebensweise für immer veränderte.
In China. © Foto aus dem persönlichen Archiv

Maschnin plante ursprünglich, innerhalb eines Monates nach Sotschi zu kommen, sich zu erholen und nach Hause zurückzukehren. Auf dem Weg dorthin wollte er in der Wolga schwimmen, den Mamaev Kurgan besuchen und zum ersten Mal das Meer sehen. Maschnin hatte einen kleinen Rucksack mit, darin das iPad und getrocknete Aprikosen. Er entschied sich, per Anhalter zu reisen: das ist billig, romantisch, einfach, und ermöglicht es, mit den Einheimischen ins Gespräch zu kommen.

Maschnin überwand 2.500 Kilometer innerhalb von sechs Tagen, während denen er 28-mal eine Mitfahrgelegenheit fand und 15 Liter Wasser trank. In Sotschi schwamm er nicht nur im Meer, sondern verbrachte auch die Nacht in einem Zelt am Strand. Ilja kehrte schneller nach Hause zurück, diesmal war es nicht sein Ziel, so viele neue Orte zu sehen, so wurden 1600 Kilometer an einem Tag bewältigt.
Auf dem Issyk-Kul See, Kirgistan. © Foto aus dem persönlichen Archiv

Als er zurückkehrte, erkannte Maschnin, dass er das Reisen fortsetzen wollte. Schon am 25. Juni ging er auf die nächste Reise, und diesmal plante er, mehr als 18 Tausend Kilometer zu fahren, viereinhalb-mal mehr als beim letzten Mal. Nach dem er das Ziel per Anhalter anging, beschloss der Reisende über sein Zlatoust nach Wladiwostok zu fahren und dann nach Moskau zurückzukehren. Neben dem Gadget und getrockneten Aprikosen nahm Maschnin ein billiges Zelt für tausend Rubel mit auf die Reise. Überraschenderweise musste er es selten benutzen, Ilja verbrachte die Nacht in Kirchen, unter Brücken, in Schulen, Geschäften, als Gast bei den Ortsansässigen und sogar am Ufer des Baikalsees.

Einmal musste Maschnin für ein Tag in Kasakhstan bleiben, weil er versehentlich die Abzweigung verwechselte. Die örtlichen Kinder betrachteten den Fremden ganz aufmerksam und versuchten sogar, mit ihm Englisch zu sprechen. Am Ende wurde der Tourist von einem lokalen Bauern, Dmitrij, herbergt, er bewirtete Ilja mit echter Milch, Eier, Butter, wilden Erdbeeren und frischem Brot.

Nach 18 Tagen erreichte der Reisende mit Hilfe von 82 Fahrern Wladiwostok. Während der Fahrt gab es viel Interessantes: Maschnin hörte die ganze Nacht russische Chansons, bekam eine ukrainische Uniform eines Straßenarbeiters geschenkt, half Jeans entladen, übergoss seine Hände mit Dieselkraftstoff, verbrachte während einer Sturmwarnung die Nacht am Ufer des Baikalsees hörte natürlich die ganze Vielfalt der Ansichten der Russen über Politik und Sport im Land.
In China. © Foto aus dem persönlichen Archiv

Während der Reisen musste Maschnin sich nicht langweilen, ein MP3-Player mit der Lieblingsmusik half ihm. Es gab auf der Reise auch keine Geldsorgen. Auf der ersten Hälfte des Weges gab er insgesamt 4000 Rubel aus, und dabei bekam er von einem mitfühlenden Fahrer noch 2000 Rubel geschenkt.

Auf dem Rückweg war Maschnin alles bekannt, aber es ging nach wie vor nicht ohne Abenteuer. Mehrmals traf er Kälber und kleine Bären, die man, wie sich herausstellte, ernsthaft fürchten sollte: in der Nähe könnte eine Mutter sein, von der man sich sogar im Auto nicht verbergen kann.
In Thailand. © Foto aus dem persönlichen Archiv

500 km vor Moskau entschied der Reisende, das Schild zu ersetzen, mit dem er die Autofahrer über das Endziel der Reise informierte. „Moskau“, was zwischen Chabarowsk und Tschita Furore gemacht hatte, ersetzte er scherzhaft durch … „Los Angeles“.

Am 6. August kam Maschnin erfolgreich in Moskau an, und eine Woche später stellte auf seine Webseite  er einen kurzen Film, der seiner Reise gewidmet ist.
In Kasachstan. © Foto aus dem persönlichen Archiv

Der Witz über Los Angeles erwies sich später als prophetisch. Im August 2016 ging Ilja Maschnin auf ein neues Abenteuer, das noch nicht abgeschlossen ist. Nun ist das Endziel Los Angeles, wohin er durch Asien, Europa und Amerika kommen will. Diesmal kam der Reisende nicht nur mit iPad, getrockneten Aprikosen und Zelt aus, im Gepäck sind die Kamera GoPro, Reisepass und Nagelknipser. Maschnin erstellte auch ernsthaft eine Liste mit 144 Dingen, die er während der Reise tun will. Eines von ihnen ist zum Beispiel „Hinterlass deinen Namen an einem interessanten Ort der Erde.“ Um das zu erfüllen schreibt man seinen Namen auf ein Blatt Papier, steckt es in einen Behälter und hinterlässt diesen in den Bergen von Tibet, in der Nähe der Küste des Pazifischen Ozeans oder im Grand Canyon. Insgesamt plant Maschnin, seinen Namen an den 11 wichtigsten Orten des Planeten zu hinterlassen.
In Laos © Foto aus dem persönlichen Archiv

Im Moment hat Ilja Maschnin Kasachstan, Tadschikistan, Kirgistan, China, Vietnam, Laos, Thailand hinter sich gelassen und befindet sich jetzt in Malaysia. Er reist nun in Begleitung, das Mädchen Veronica hat sich ihm angeschlossen. Eine Straße von Thailand nach Los Angeles gibt es nicht, aber Maschnin denkt gar nicht daran, zu verzweifeln. Dem Schicksal des jungen Wanderers folgen und ihn auch unterstützen kann man über seine Seite "Meine 44 Reisen".

Ilja Maschnin empfiehlt: eine Liste der Sachen, die man auf der Reise per Anhalter benötigt

● Dokumente (Reisepass und Krankenversicherungspolice)
● Geld
● Körperpflegeartikel
● ein Satz Kleidung zum Wechseln
● Erste-Hilfe-Kit
● Regenmantel
● Lunchpakete
● Streichhölzer
● Karten der Gegend
● Messer und Taschenlampe

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