Die Geschichte eines Fotos: der Fußballsieg im belagerten Leningrad

Berühmte Sport- und Fußballbilder und ihre Autoren

11 Mai 2016
Ein Fußballspiel während der Leningrader Blockade, 1942 © Fotochronik TASS

Hinter diesem einfachen Bild, hinter den fünf Fußballspielern und den niedrigen Baracken verbirgt sich eine große Geschichte. Der Kriegsberichterstatter von TASS Boris Wasjutinskij traf einen wichtigen Moment in der Geschichte der Leningrader Blockade - das erste Freundschaftsspiel zwischen den Mannschaften "Dynamo" und "N-skij Zawod". In jenem ersten Blockadefrühling wurde dieses Spiel zum Symbol der Widerstandskraft der Stadt.

Die Deutschen schlossen den Ring um Leningrad im September 1941. Das Artilleriefeuer hörte fast nie auf, schon nach ein paar Monaten begann die Stadt zu verhungern, und mit dem Beginn des Winters schlug der schlimmste Frost zu. Die Lebensbedingungen waren völlig unmenschlich, die Sterblichkeit war enorm. Die Überlebenden fanden kaum Kraft, aber sie ergaben sich nicht, arbeiteten und hofften weiter. Im Frühling wurde es leichter- der “Weg des Lebens“ kam in Gang, aber die Kräfte - körperliche und moralische - waren erschöpft. Im April 1942 warfen die Deutschen Flugblätter ab "Leningrad-die Stadt der Toten" - ein psychologischer Angriff kann in einer solchen Situation schrecklicher als Bomben sein.

Unter diesen Umständen wurde beschlossen, Fußballfreundschaftsspiele zu veranstalten, um den Kampfgeist zu erhöhen und dem Feind zu zeigen, dass die Leningrader nicht gebrochen worden waren. Vor dem Krieg gab es in der Stadt zwei Fußball-Mannschaften und jetzt kämpften viele Spieler an der Front, arbeiteten in der belagerten Stadt, einige waren schon am Anfang evakuiert worden, und einige waren schon gefallen. Für die Freundschaftsspiele mussten diejenigen für die Mannschaften gefunden werden, die da waren und die Kraft hatten, auf das Feld zu kommen. Ein Team bestand vor allem aus den ehemaligen Dynamo-Spielern, das zweite, als "Das Team des N- skij Zawod" bezeichnet, bestand aus Arbeitern des "I.W.Stalin – Metallwerks“ in Leningrad, Vorkriegs- "Zenit"-Spielern und ihren Mitarbeitern. Der Kapitän Aleksander Zjablikow erinnerte sich: "Ich hatte ein größeres Problem mit der Mannschaftsaufstellung als "Dynamo“. Einige im Bestand waren nie auf das Feld hinausgekommen - weil sie vor Hunger zu schwach waren ..." Das Training fand zweimal wöchentlich statt, für mehr reichte die Kraft nicht. Und das Stadion selbst war in einer sehr bedauerlichen Lage - ein Teil des Feldes war von Granaten zerwühlt, und der zweite war von Gärten besetzt.

Aber am 31. Mai wurde das erste offizielle Spiel zwischen den Mannschaften gespielt. Die Verwundeten aus benachbarten Krankenhäusern waren das Publikum. Das Spiel war hart, und obwohl beschlossen worden war, jede Spielperiode auf 30 Minuten zu reduzieren, war sogar dieser Zeitraum schwierig durchzuhalten. Anatolij Mischtschuk, vor weniger als einem Monat aus einem Krankenhaus entlassen, wo er wegen Dystrophie behandelt worden war, verlor das Bewusstsein direkt auf dem Feld. Das Spiel endete mit dem Sieg von "Dynamo" 6:0, die Spieler verließen das Feld in Umarmungen -denn es spielte keine Rolle, wer gewonnen hatte. Und es war einfacher, aneinander gelehnt zu gehen.

Über das Spiel wurde im Radio erzählt und in den Zeitungen geschrieben. Der ehemalige Stürmer von "Dynamo" Nikolaj Swetlow, der in jenem Spiel nicht gespielt hatte, hörte davon im Graben: "Ich werde den Tag nie vergessen, als ich in den Schützengräben in den Sinjawskij-Sümpfen 500 Meter vor den Deutschen einen Bericht aus dem "Dynamo"-Stadion hörte. Ich glaubte es zuerst nicht, lief in den Wohnunterstand zu den Funkern, und sie bestätigten: Das ist richtig, es wird Fußball übertragen. Was hatte das mit den Kämpfern gemacht! Es gab solch einen Anstieg der Kampfmoral, dass, wenn es in diesem Moment ein Signal gegeben hätte, die Deutschen aus ihren Gräben zu vertreiben, es schlecht für sie ausgesehen hätte!" Das war das wichtigste und größte an diesem Spiel. Es war ein Sieg!

Marija Waschtschuk

Menü
Menü

Welcome 2018

×
Anmelden