Die Geschichte eines Bildes: Maradona in Moskau

Welcome2018.com erinnert an den Besuch des großen Stürmers in der Hauptstadt der UdSSR

22 Juni 2016
Aleksander Jakowlew/ Fotochronik TASS
Diego Maradona und Boris Pozdnjakow während des Achtelfinalspiels des Europapokals der Landesmeister. Moskau, 1990.
Sowjetische Fans und Fotografen waren nicht verwöhnt mit Besuchen ausländischer Fußballstars. Und von einer Reise ins Ausland, auch zu den wichtigsten Spielen, konnten die meisten nur träumen. Ebendeswegen haben nur wenige der sowjetischen Reporter Bilder von Weltklassestars in den Archiven. Und dieses schwarz-weiße Bild, das 1990 von dem TASS-Korrespondent Aleksander Jakowlew aufgenommen wurde, verdient eine besondere Aufmerksamkeit.

1990 wurde Diego Maradona zu einem der legendären Fußballer des Jahrhunderts. Es gab bereits das "Tor des Jahrhunderts" und die "Hand Gottes" hatte der argentinischen Auswahl geholfen, die Mannschaft Englands im Viertelfinale der Fußballweltmeisterschaft 1986 zu besiegen. Der Verein "Napoli", für den Maradona spielte, schien unbesiegbar. Wie überrascht waren die Fußballfans, als der hauptstädtische Klub "Spartak" ein Unentschieden mit einer der stärksten Mannschaften der Welt während des Aufenthalts in Italien im Achtelfinale des Europapokals der Landesmeister erreichte!

Das zweite Spiel musste in Moskau stattfinden, und es gab zwei Hauptfragen: Ob Diego nach Moskau kommt und es die sowjetischen Fußballspieler schaffen, die Italiener zu besiegen? Lange Zeit war nicht bekannt, ob Maradona an dem Spiel teilnehmen würde. Er weigerte sich, zusammen mit der Mannschaft zu fahren und flog in einer Chartermaschine nach Moskau. Nachdem er sich nachts in einem Hotel eingemietet hatte, bat er, ihm ein Abendessen zu servieren. Aber in sowjetischen Hotels war es auch für Ausländer unrealistisch, um zwei Uhr nachts Abendessen zu bekommen. Und dann wurde ein Nachtspaziergang für den Gast durch das nächtliche Moskau und auf den Roten Platz veranstaltet.

Der gegen Morgen ins Zimmer zurückgekehrte Maradona wurde anfangs in der Stammmannschaft nicht angemeldet. Auf Beschluss des Trainers sollte er wegen der Disziplinverletzung während des Spiels auf der Ersatzbank sitzen. Jedoch kam der legendäre Fußballspieler in der 2. Halbzeit, indem er sich bei seinen Kameraden entschuldigte, auf den Hauptstadtrasen. Und hier wurde er von dem Fotokorrespondenten der TASS festgehalten, - auf dem Bild sehen wir, wie der Mittelfeldspieler Boris Pozdnjakow den Lauf des Angreifers stoppt.

Selbst die Atmosphäre des Spiels war ungewöhnlich-das harte Wetter, der legendäre Fußballspieler, seine zugkräftigen Abenteuer im nächtlichen Moskau. Es sind eine Menge Erinnerungen an dieses Spiel erhalten. Zum Beispiel erinnert sich der Verteidiger von "Spartak", Wassilij Kulkow, daran, dass während der Einwechslung von Maradona auf das Feld Schnee fiel...

Das Spiel war kompliziert, und am Ende erreichten die Mannschaften einen Null-zu-Null-Spielstand, trotz des November-Schmuddelwetters. Im folgenden Elfmeterschießen übertrafen die Spieler von "Spartak" die Gegner und errangen den Sieg.

Danach begannen die Gratulationen für die Gewinner, freundliche Umarmungen, der Trikottausch. Der Ex-Stürmer von "Spartak" Walerij Schmarov erzählt, dass er vor dem Spiel nachdachte, wie man den wichtigen Augenblick einfangen könne. Er kaufte einen teuren und für die damalige Zeit in der UdSSR seltenen Farbfilm und übergab ihn an einen vertrauten Korrespondenten. Aber jener durfte das Feld nicht betreten - er musste sich mit einem schwarz-weißen Bild begnügen, das von einem der zum Spiel akkreditierten Journalisten gemacht wurde.

Interessant ist es, dass der Farbfilm wirklich erst in den 90er Jahren immer häufiger bei sowjetischen Fotokorrespondenten erschien. Zum Beispiel gibt es in den Archiven der Zeitung "Sport-Express" und der Agentur "Rossija segodnja" Farbfotos dieser Veranstaltung. Dank ihnen wissen wir, dass Maradona an jenem Tag in einem hellblauen Trikot auftrat. Aber der Korrespondent von TASS hatte für diese Reportage gerade einen schwarzweißen Film gewählt. Außer dem in dieser Zeit ständigen Mangel an qualitativ hochwertigem Fotomaterial, ist es wichtig zu wissen, dass die einzigen Adressaten von TASS-Fotos Zeitungen waren, die im schwarz-weißen Format erschienen. Und die Entwicklung und das Drucken von Farbfotos war um Dimensionen komplizierter und länger. Deshalb sind im TASS Archiv bis Mitte der 90er Jahre die meisten Bilder schwarzweiß.

Marija Waschtschuk

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