Die Geschichte eines Bildes: das erste Derby in der UdSSR-Meisterschaft

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11 Juli 2016
Das erste Treffen der Moskauer Mannschaften "Dynamo" und "Spartak" in der UdSSR-Meisterschaft am 11. Juli 1936. Der Dynamo-Spieler Mikhail Jakuschin umgeben von Gawriil Putilin (links) und Andrej Starostin (rechts) von „Spartak“. © Presse Service des FC "Dynamo"
Vor 80 Jahren, am 11. Juli 1936 gewann der Fußballklub „Dynamo Moskau“, in dem er den hauptstädtischen Klub „Spartak“ mit 1: 0 besiegte, die erste Fußballmeisterschaft der UdSSR (Mai-Juli 1936). Auf diesem Bild aus dem Archiv von "Dynamo" ist einer der Momente dieses Spiels abgebildet.

Der Frühling 1936 war für die sowjetischen Fans etwas Besonderes - endlich wurde beschlossen, eine Meisterschaft zwischen den Klubmannschaften der UdSSR durchzuführen. Die Fußball-Community und die Sportler hatten schon lange darauf gewartet - nur in einem Streit um die Meisterschaft kann man wirklich die Intensität des Kampfes, die Aufregung des Wettkampfs spüren, und das heißt, einen wirklich spannenden Fußball zu zeigen und zu sehen. Die faszinierendste Konfrontation entfaltete sich zwischen den Moskauer Mannschaften "Spartak" und "Dynamo". In der folgenden Zeit werden ihre Spiele für eine lange Zeit eine der wichtigsten Auseinandersetzungen der UdSSR-Meisterschaften, weil „Spartak“ 12mal und „Dynamo“ 11mal zum Meister der UdSSR von 1936 bis 1991 wurden. Aber damals begann es gerade.

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Der Widerstreit der Hauptstadtmannschaften war politisch motiviert. Die traditionellen Beförderer von „Dynamo“ waren die Bosse des NKWD, und „Spartak“, erst ein Jahr vor den beschriebenen Ereignissen nach dem alten römischen Führer eines Volksaufstandes benannt, war ein Volksklub. In der ersten Meisterschaft der UdSSR lag "Dynamo" mit 12 Punkten an der Spitze, "Spartak" hatte zwei Punkten weniger. Dann folgten ZDKA und „Dynamo“-Kiew. Das erste Derby, ein Spiel zwischen den Führenden der Meisterschaft, sollte am 6. Juli stattfinden. An jenem Tag war jedoch eine große Sportparade vor Josef Stalin auf dem Roten Platz geplant, und es wurde beschlossen, das Spiel auf den 11. zu verlegen.

Es ist interessant, dass trotz des offensichtlichen Vorteils von „Dynamo“ der Klub „Spartak“ mit der Organisation eines Demonstrationsspiels vor Stalin am 6. Juli betraut wurde. Vielleicht spielte der Einfluss von Nikolai Starostin, einem der Gründer des Fußballvereins „Spartak“, hier eine Rolle. In seinen Memoiren schreibt er: "Die große Konfrontation zwischen „Spartak“ und „Dynamo“ begann wohl 1936. Und nicht in den Sportarenen, sondern auf dem Roten Platz, im Herzen der Hauptstadt."

Aber zurück zum Spiel auf dem Bild. Hier ist ein Bericht der Zeitung „Krasnij Sport“ (zukünftig „Sowjetskij Sport“), der am 13. Juli 1936 veröffentlicht wurde: „Das Treffen der stärksten Mannschaften des Landes war äußerst angespannt. Zu wichtig war das Ergebnis. Der Sieg oder ein Unentschieden sicherte „Dynamo“ den ersten Platz in der Meisterschaft. Ein Unentschieden brachte "Spartak" auf den zweiten Platz, eine Niederlage zwang dazu, mit dem Kiewer "Dynamo" den zweiten bzw. dritten Platz zu teilen." Nach Notizen wissen wir, dass der erste Teil des Spiels zum Vorteil für „Spartak“ gelaufen war. Und erst in der zweiten Hälfte gelang es „Dynamo“, den einzigen und entscheidenden Treffer zu erzielen.

Nach dem Studium der Protokolle des Spiels und dem Betrachten dieses Bildes ist es beachtenswert, dass wir keine zufällig aufgenommenen Spieler, sondern echte Stars vor uns haben. Mikhail Jakuschin, einer der besten Fußballspieler der Vorkriegsjahre in der UdSSR, zeigte sich nicht so sehr als Torschütze, sondern als Organisator von Angriffen. Offensichtlich war seine Rolle in diesem Spiel sehr wichtig. An seinen beiden Seiten sind in den dunklen Trikots Spieler der gegnerischen Mannschaft. Links - Gawriil Putilin. Groß geworden im Straßenfußball war er ein ausgezeichneter Verteidiger. Aber in der 17. Minute des Spiels verletzte er sich sein Bein und musste das Feld verlassen. Am rechten Rand des Bildes sehen wir Andrej Starostin. Das ist der Mannschaftskapitän und einer der Vertreter der legendären Starostin-Dynastie. Jakuschin schrieb später in seinen Memoiren: „Andrej hatte ein feines taktisches Gespür, so dass er rechtzeitig am heißesten Punkt des Angriffs des Gegners sein konnte, hervorragende körperliche Fähigkeiten schufen ihm den Ruhm des unüberwindbaren Verteidigers. Vielleicht hätte das Ergebnis ein anderes sein können, wenn Andrej in der zweiten Hälfte nicht verletzt gewesen wäre und das Feld nicht verlassen hätte."

Fünf Minuten vor dem Ende des Spiels schlug der Dynamo-Spieler Wasilij Pawlow, einer der erfolgreichsten Angreifer der Sowjetunion, mit einem starken Schuss den Ball in die obere Ecke des Tores. So gewann "Dynamo" fast am Ende des Spiels. Natürlich wäre dieses Bild jetzt das Wichtigste. Aber leider waren die Möglichkeiten der Fotografen in den 1930er Jahren sehr anders als heute. Es war fast unmöglich, ein unerwartetes Tor aufzunehmen - die manuelle Bildeinstellung, die „dunkle“ Optik, ein banaler Mangel an Bildern (nur 36 Stück im Film) ... Aus diesem Grunde kann man Archivfußballbilder nicht nach den Standards des digitalen 21. Jahrhunderts beurteilen. Aber wie viele interessante Nuancen können sie offenlegen, wenn man sie genau betrachtet. Leider kennen wir den Namen des Urhebers dieses Bildes nicht, aber nach seinem Ausdruck und seiner Lebhaftigkeit verstand dieser Mensch etwas vom Fußball.

Marija Waschtschuk

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