Die Geschichte eines Bildes: Inszenierung oder real?

Berühmte Sport- und Fußballbilder und ihre Autoren
27 Juli 2016
Fußball auf dem Schulhof, 1963. © Fotochronik TASS
Jeder weiß, dass Fußballstars nicht geboren werden, sondern sie werden dazu gemacht. Die Schulen in der UdSSR waren genau der Ort, an dem die künftigen Fußballstars geboren wurden, wo die Technik des Spiels und der Respekt für den Gegner geschliffen wurden.

Dieses Bild, das auf einem Schulhof gemacht wurde, ist ein interessantes Beispiel für die Genrefotografie in den 1960er Jahren. Es zeigt nicht nur die damals übliche Situation, sondern schafft auch ein wahres Bild des Straßenfußballs in der Sowjetunion. Damals hielt jeder Schüler es für seine Pflicht, Fußball spielen zu können und Fußball zu spielen. Auf dem Foto sehen wir, wie ein Junge auf das aus aufgetürmten Schultaschen gebildete Tor schießt. Jetzt kann es unpädagogisch erscheinen, aber damals blieb nichts vom Fußball verschont. Der große Torhüter Aleksej Khomich zum Beispiel setzte als Kind seine Schwester hinter die Torlinie, und behauptete, dass dies ihm die Kraft gab, die Bälle nicht durchzulassen.

Es ist interessant, dieses Foto genauer zu betrachten. Wir wissen nicht, wer der Urheber dieses Bildes war. In die TASS-Archiven gerieten selten Bilder von Amateuren, aber trotzdem kann man nicht umhin, zu bemerken, dass das Bild von schlechter Qualität ist: Der Ball ist etwas verwischt. Der Autor hat einen Fehler gemacht mit der Wahl der Belichtung - zu lang eingestellt - und beim Aufnehmen einer schnellen Bewegung entstand ein verwischtes Objekt. Heute, wo die Belichtungszeit auch auf Amateurkameras Hundertstelsekunden erreicht, wäre ein solches Bild eindeutig eine misslungene Arbeit. Aber ganz anders sieht es bei einem vor einem halben Jahrhundert entstandenen Bild aus.

Die manuelle Bedienung der Kamera verpflichtete den Autor, die Entwicklung vorauszusehen, also war es schon ein großer Erfolg, einen plötzlichen Schuss einzufangen. Deshalb kann man die Tatsache akzeptieren, dass es etwas unscharf ist. Dieser verwischte Ball bestätigt zu einem gewissen Grad die Wahrhaftigkeit dieses Bildes.

Aber es ist kein Geheimnis, dass sich Fotografen in der Mitte des 20. Jahrhunderts auf der Suche nach schönen Bildern oft mit Inszenierungen behalfen, auch wegen der Schwierigkeiten der Momentaufnahme. Dieser Ansatz gilt heute als nicht akzeptabel. Aber damals war es ein üblicher Trick. Und jetzt ist es schwierig, ein echtes Bild von einem inszenierten zu unterscheiden.

Aber wäre dieses Bild gestellt, wäre es kein Problem für den Autor gewesen, die Belichtung richtig anzusetzen und ein scharfes Bild zu erreichen. Die Tatsache, dass das Bild auf diese Weise aufgenommen wurde, zeigt, dass der Fotograf es in einem wichtigen Moment geschafft hatte, zu reagieren - und das gereicht ihm zur Ehre.

Streng genommen kann man dieses Bild nicht zum Sportfotojournalismus zählen. Eher wurde das Bild während eines Fotoreports über eine Schule oder überhaupt zufällig gemacht. Dennoch erzählt es uns von den Gewohnheiten der Jungen, von ihrer Hingabe zum Fußball und von den damaligen Besonderheiten der Fotografie.

Marija Waschtschuk

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