Die Geschichte eines Fotos: es lebe Metreweli!

Der sowjetische und russische Sportjournalismus, besonders im Fußball, hat eine reiche Geschichte. In unserer neuen Rubrik werden wir über bekannte Sport- und Fußballbilder und ihre Autoren erzählen.

30 Mai 2016
G. Kikwadse /Fotochronik TASS/
Am 12. November 1971 ging Slawa Metreweli zum letzten Mal als Kapitän des Tifliser FC „Dynamo“ aufs Feld.

Man nennt Slawa Metreweli einen der besten Stürmer des sowjetischen Fußballs der 1950-60-er Jahre. Slawa wurde er übrigens von seinem Vater genannt, genau diese Namensform wurde als sein voller Name verwendet (Kommentar: der volle Name heißt Wjatscheslaw, „Slawa“ ist eine abgekürzte Form und bedeutet  „Ruhm“).

Metreweli hat seine Fußballkariere im FC „Spartak“ in Sotschi begonnen, wechselte später zu „Torpedo“ aus Nishnij Nowgorod, wo er sich sehr gut im Spiel gegen den Moskauer Club „Torpedo“ zeigte. Die Mannschaft aus Moskau verlor das Spiel, aber ihr Trainer Konstantin Beskow bemerkte den wendigen Spieler. Ein Spielertransfer unter den Clubs war keine leichte Aufgabe. Deswegen wurde Metreweli „entführt“: er fuhr schwarz nach Moskau im Abteil des Trainers, der alles zu regeln versprach.

In Moskau spielte Metreweli aus voller Kraft. Er zeichnete sich immer durch den virtuosen, sehr technischen Stil aus. Spezialisten schreiben oft,  dass er „einen Sinn für Fußball hatte“. Seine Karriere in der UdSSR-Mannschaft fiel auf den Zeitraum wichtiger Siege. Einer seiner Erfolge ist das beste Ergebnis der UdSSR-Nationalmannschaft, die Goldmedaille im Finale der Europameisterschaft 1960, wo der Stürmer meisterhaft das Tor schoss, das der UdSSR-Mannschaft half, den Spielverlauf zu ändern und gegen die Mannschaft aus Jugoslawien zu gewinnen.

Ein weiterer legendäre Wettkampf aus der Zeit war das Spiel gegen Argentinien im November 1961, das mit dem 2:1-Sieg der Gastmannschaft zu Ende ging. Die Südamerika-Meister auf ihrem Feld zu schlagen war viel Wert, und das argentinische Publikum schätzte sowjetische Fußballer hoch ein: „Michail Meßchi – 50 Millionen Peso, Slawa Metreweli – 50 Millionen Peso, Wiktor Ponedelnik – 50 Millionen Peso, Lew Jaschin – unschätzbar ….“ – schrieben die Zeitungen.

In einem Interview erinnerte sich Slawa: „Als das Spiel zu Ende war, wurde ich plötzlich von Zuschauern umgeben, und jeder begann an meinem T-Shirt zu ziehen. Ich hatte nicht geahnt, dass es in Argentinien ein Brauch ist und solche Sachen völlig normal sind. Ich bekam Angst und schaute mich fassungslos um. Aber endlich konnte ich mit Erleichterung aufatmen: ich sah einen Polizisten, der entschieden durch die Menge zu mir marschierte. Er nahm mich am Arm und unter seiner Begleitung erreichte ich unbehindert den Umkleideraum. Dort bat er mich sehr höflich über einen Dolmetscher, ihm mein T-Shirt als Souvenir zu schenken. Was ich auch machte. Aber das war natürlich nicht die einzige Episode, mit der sich mir das argentinische Spiel einprägte. Meiner Meinung nach war das der beste Auftritt unserer Mannschaft. Bis heute erinnern sich alle Teilnehmer mit Vergnügen daran.“

Nach dem Moskauer „Torpedo“ wechselte Slawa zum Tifliser „Dynamo“. Ihm zufolge waren die beiden Mannschaften in ihrem Spielstil einander sehr nah, aber in Tiflis spürte man mehr Selbstvertrauen. Es war Metreweli, der dieses Selbstvertrauen mitbrachte. Vielleich lag es an seinen Führungseigenschaften, er wurde doch nicht zufällig zum Mannschaftskapitän gewählt. Vielleicht aber waren seine tollen Kenntnisse des Moskauer Clubs entscheidend. In der Weltmeisterschaft 1964 spielte sich doch der Kampf um den Meistertitel zwischen diesen zwei Mannschaften ab. Der Sieger musste in einem Zusatzspiel entschieden werden. Tifliser „Dynamo“ setzte sich durch, und das letzte Tor wurde von dem einst „entführten“ Metreweli geschossen.

Der Angreifer wurde 8 Mal zum besten Spieler der Saison. Nach dem Ende seiner Sportkariere arbeitete er als Trainer der georgischen Mannschaft. Jetzt ist nach ihm das zentrale Stadion in Sotschi genannt, in der Stadt, wo der große Fußballspieler seine Kariere einst begann. 

Maria Waschtschuk

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