Die Geschichte eines Fotos: der Tiger mit der Kamera

Berühmte Sport- und Fußballfotos und ihre Autoren 

27 April 2016
Torhüter Alexej Chomitsch und Lew Jaschin. Moskau, 1970. © Viktor Schandrin/Fotochronik TASSС

Der Pressephotograph der russischen Nachrichtenagentur TASS Wiktor Schandrin machte ein Foto der zwei legendären sowjetischen Torwarte: Lew Jaschin (rechts) und Alexej Chomitsch (links). Aber während Jaschin sogar denjenigen bekannt ist, die sich für Fußball nicht interessieren, haben bei weitem nicht alle über Chomitsch gehört.

Alexej Chomitsch wurde zum ersten sowjetischen Torhüter, der nicht nur in der UdSSR sondern auch im Ausland bekannt und beliebt war. Er begeisterte englische Fans während der legendären Reise des FC „Dynamo“ nach Großbritannien 1945 und erhielt den Spitznamen „Tiger“ für seine Tapferkeit und Sprungfähigkeit.

Schon zu seinen Lebzeiten gab es viele Legenden um ihn. Z.B., als Kind benutzte er seine 1 Jahr alte Schwester als Torpfosten: wenn die Eltern zur Arbeit gingen, wickelte er sie in eine Decke ein und legte an den Rand des imaginären Tores. „Es war unmöglich, mir ein Tor von der Seite zu schießen, wo meine Schwester gelegen hatte“ – sagte er in einem Interview. Oder er erzählte von speziellem geheimem Klebstoff, mit dem er Handschuhe schmierte, damit der Ball „an den Händen klebte“.

Als seine Sportkarriere zu Ende kam, wurde Chomitsch zum Pressephotographen der Zeitschrift „Fußball“ – seine Spielkenntnisse und persönliche Bekanntschaften waren von großer Hilfe. Die Silhouette von Alexej Chomitsch im Fußballtor wurde zu einem bekannten Symbol der Spiele jener Zeiten.

Die Begeisterung mit dem Spiel hinderte ihn oft daran, den notwendigen Moment aufzunehmen – der Tiger tobte hinter dem Tor, gab Ratschläge den Torwarten, belehrte sie, wie sie zu spielen hatten. Der Hauptredakteur der Zeitschrift „Fußball-Hockey“ Lew Filatow erinnerte sich: „Alexej, Sie standen doch neben dem  Tor, in das 2 Bälle geschossen wurden. Wo sind die Fotos?“ Chomitsch: „Wie kann man nun solche Tore kassieren? Da schrie ich ihm…“

Sogar hinter dem Tor wurde Chomitsch zum Teilnehmer der dramatischsten Momente in der Geschichte des sowjetischen Fußballs. Am 17. April 1971 fand das Spiel FC ZSKA Moskau gegen FC „Ararat“ aus Jerewan statt. Bei 0:0 wollte der ZSKA Torwart Leonid Schmutz den Ball aufs Feld werfen, hat aber zufälligerweise das eigene Tor getroffen. Das Spiel endete mit dem 1:0-Sieg von Ararat. Chomitsch, der traditionell hinter dem Tor stand, mußte diesen Moment fotografieren. Aber  niemand hat dieses Foto je gesehen. Aus Solidarität versprach der ehemalige Torwart seinem Kollegen das Bild nie zu veröffentlichen.

Fußball war ein bedeutender Teil des Lebens für Chomitsch, ob als Spieler oder Fotographen. An seinem Grabstein ist er mit der Kamera hinter dem Fußballtor dargestellt.

Maria Waschtschuk

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