Glücksmütze

Fußball-Glücksbringer und Vorzeichen – im Sondermaterial Welcome2018

24 März 2016
Vitalij Belousov/TASS
Cheftrainer von Rubin Kurban Berdyev

Fußballspieler, wie auch alle Stars, bleiben in erster Linie nur Menschen, die oft abergläubisch sein können. Aberglauben und Glücksbringer begleiteten schon immer das Spiel, wo es vom Glück nicht weniger als von der Meisterschaft abhängt. Zum Beispiel, um es dem Glück gefällig zu machen, tat der legendäre Stürmer Christo Stoitschkow eine 10 Stotinka-Münze vor dem Spiel unter die Ferse; sogar nach dem Wechsel zu Barcelona lernte der Bulgare die einheimische Währung nicht schätzen. Weltbekannt wurde auch ein Brauch in der französischen Mannschaft am Ende der 90-er Jahre, als Verteidiger Laurent Blanc vor jedem Spiel die Glatze des Torwarts Fabien Barthez geküsst hat.

Nationaler Fußball ist keine Ausnahme – viele haben über die Mütze von Lew Jaschin oder die Gebetskette von Kurban Berdyev gehört.  Welcome2018.com bietet dem Leser, diese und andere Glücksbringer sowie Aberglauben im russischen Fußball kennenzulernen.

Geben Sie die Mütze zurück!

Kapitän der UdSSR-Nationalmannschaft Lew Jaschin beim Freundschaftsspiel gegen Jugoslawien, Stadion Crvena zvezda, Belgrad, 22. November 1964 © Schirner /ullstein bild/Getty Images


Bester Torwart in der Geschichte Lew Jaschin blieb im Gedächtnis der ganzen Welt durch seine großartige Reaktion, sein unglaubliches Geschick, seine Fähigkeit, Pläne des Gegners vorherzusehen, durch seine Gelassenheit und Bescheidenheit und… seine Mütze. Lew Iwanowitsch wollte immer in seiner alten Mütze spielen, die er 1953 geschenkt bekommen und die nie getauscht hatte. Sie war jahrelang sein Glücksbringer.

Dass die Jaschins Mütze nicht einfach nur eine Mütze ist, hat die Welt bei der Europameisterschaft 1960 in Frankreich erfahren. Im Halbfinale kanterte die sowjetische Nationalmannschaft die Mannschaft der Tschechoslowakei mit 3:0 nieder, und Jaschin hatte ein fantastisches Spiel, das französische Fans in Erstaunen setzte. Nach dem Spiel standen einheimische Sportfans um Jaschin herum und nahmen ihn auf Arme. Im ganzen Durcheinander griff ein Glücksbringersammler nach der Kopfmütze des sowjetischen Torwarts und ist verschwunden… Jaschin war recht besorgt, das Finale stand ja an… Der Torwart bot, die Mütze gegen seinen Fußballpullover zu tauschen, und am nächsten Tag gab man das vermisste Teil nicht ohne Polizeihilfe zurück.

Im Finale gewann die Sowjetunion gegen Jugoslawien und ist zum ersten Mal Europameister geworden.

Sogar als die liebe Mütze recht abgetragen war, hatte Jaschin sie beim Feldbetreten an und legte sie in die Torecke.

Handschuhe neben dem Koran

In der atheistischen Sowjetunion hieß man Religion nicht willkommen. Aber einer der besten Torwarte 1980-1990er Rinat Dasaev erschien auf dem Feld immer, sogar bei internationalen Spielen, mit dem Koran in einer kleinen Tasche und legte die in die Torecke. 

Spartak-Torwart Rinat Dasaev verhindert den Durchbruch von Wadim Evtuschenko im Spiel gegen Dinamo Kiev, Lenin-Zentralstadion, Moskau 1983 © Igor Utkin/Fotochronika TASS 

In der Mitte der 1980er ist noch was neben dem Buch erschienen. Dasaev war mit dem Torwart der deutschen Nationalmannschaft Toni Schumacher befreundet – einem der besten Ende der 1970-er – Anfang der 1980-er, der viele Siege in seiner Tasche hatte: Gold der EM 1980, Silber der WM 1982 und 1986, drei Nominierungen für den „Goldenen Ball“, - der Torwart war wirklich hervorragend. Und einmal schenkte Schumacher dem Kollegen seine Handschuhe.

Dieses Geschenk ist zu einem Glücksbringer für den sowjetischen Torwart geworden und bekam einen Ehrenplatz neben dem für Muslimen heiligen Buch.

Meister-Hähnchen


Cheftrainer von Lokomotiv beim Spiel der Russlands-Fußballmeisterschaft gegen Torpedo (Moskau).  An dem Abend hat es mit der Wundermütze funktioniert – das Spiel endete mit 3:1 für Lokomotiv. Moskau, 8. November 2004 © Wasilij Smirnow/ TASS

Russischer Trainer Jurij Semin ist durch seine Arbeit im Moskauer Lokomotiv Mitte der 90-er und Anfang der 2000-er bekannt geworden. Unter seiner Leitung konnten die Eisenbahner den Spartak aus der Hauptstadt vom ersten Platz schieben und sind zweimal Meister geworden.

Das Bild von Semin hat man damals ständig mit der Strickmütze (die in Russland weithin „Hähnchen“ genannt ist) verbunden – an die dachte man immer beim Hören seines Namens. Aber mit der Zeit war auch das Glückslimit des Hähnchens zu Ende, wie der Trainer selbst zugab.

Jetzt sucht Semin nach etwas Neuem. In der Saison 2014/2015 erschien Julij Pawlowitsch als Cheftrainer des Saransker Mordowia in einer Mütze mit dem Logo des Champions League Finales 2014 in Lissabon. 



Gebetskette der Ruhe 

 
Gebet an der Spielfeldkante. Rubin-Trainer Kurban Berdyev © Artjom Korotaev/TASS

 

Kurban Berdyev übernahm die Leitung von Rubin 2001, als Kasaner noch in der ersten Liga gespielt haben, und 2003 brachte er den Klub zu Bronzemedaillen der Russischen Meisterschaft. Paar Jahre später gewann der FK zweimal nacheinander Gold und wurde in Europa bekannt: in der Champions League wurde eine Reihe von großen Siegen erzielt, unter denen der Sieg gegen Barcelona am Camp Nou Stadion eine besondere Stelle nimmt.

Weltbekannt wurde Berdyev als ein sehr ausgeglichener Trainer, der sich selten laute Emotionen erlaubt hat und bevorzugt, Perlen seiner Gebetskette ruhig zu drehen. Gerade die Gebetskette ist zu einer Visitenkarte des Trainers geworden und jetzt wird der Trainername scheinbar seltener erwähnt als „Berdyevs Gebetskette“. Sogar spanische Medien schrieben nach der Niederlage Barcelonas, dass Rubin diesem Glücksbringer danken sollen. Der Trainer selbst hat mal zugegeben, ohne Kette sei er unruhig.

Allein mit den Torpfosten


Torwart von Spartak Artjom Rebrov stellt sich auf das Spiel der Russischen Premier League zwischen Spartak und Krasnodar ein, Spartak-Stadion, 8. März 2015 © Sefa Karacan/Anadolu Agency/Getty Images

Torwart von dem Moskauer Spartak und der russischen Nationalmannschaft Artem Rebrov hat keinen Glücksbringer, aber ein Ritual: Vor dem Anfang einer Halbzeit küsst der Torwart die Torpfosten. Und nicht einfach nur küsst, sonst kann die auch mal umarmen, legt sich mit der Stirn an, flüstert etwas… Am Ende seines Rituals klopft Rebrov leicht mit dem Schuh gegen Eisen, also ist er gegenüber der Stange doch kaum liebevoll.

Vor einigen Jahren erzählte der Torwart in Interviews, dass dieses etwas merkwürdige Ritual ihm hilft, sich auf das Spiel einzustellen und zu konzentrieren. Und er ist nicht alleine in so einem engen Umgang mit dem seelenlosen Gegenstand. Nicht so lange her schrieb Torwart von dem Juventus und der italienischen Nationalmannschaft Gianluigi Buffon sogar einen Brief ans Tor, wo er schwört, es zu schützen, bis „seine Beine, Kopf und Herz das ermöglichen“.

Zauberin Sarina

Die Mannschaft von Alania nach einem Ice-Hockey-Stand im Halbfinale des russischen Fußballpokals: Rostov (Rostov-am-Don) – Alania (Vladikavkaz) – 5:6. Rostov am Don, 11. Mai 2011 © Walerij Matyzin/ TASS  


Der Vladikavkazer Alania hatte keinen Gegenstand als Glücksbringer, sondern einen Menschen. 1994 war die Mannschaft auf dem Weg zu einem Auswärtsspiel. Die Diensthabende am Flughafen namens Sarina empfing die Delegation und brachte sie zur Maschine, Alania-Spieler sind weggeflogen und kamen mit einem Sieg nach Hause zurück. Bald wiederholte sich die Geschichte.

"Damals ist Sarina allen aufgefallen, – erzählt der ehemalige Manager des Vladikavkazer Klubs Boris Dsasochov. – Danach bekam sie Dienste extra zu unserem Abflug. Und später, auch als sie keinen Dienst hatte, kam sie trotzdem um uns zu begleiten. Sie ist zu einem wahren Glücksbringer geworden – wir haben kaum verloren und sind 1995 letztendlich Russlands Meister geworden. Natürlich haben wir sie zur Siegesfeier eingeladen und bescherten sie mit Erinnerungsstücken. Während der 1990-er war Sarina unsere Glücksbringerin".

Linker Fuß und Schweigegebot

Außer dem Glauben an Glücksbringer haben viele Fußballspieler auch andere Bräuche und Aberglauben. Zum Beispiel, Teilnehmer der Fußball-WM 2002 Dmitrij Sytschew rasiert sich nicht am Spieltag und der Stürmer des Moskauer Lokomotivs Roman Pavljutschenko betritt das Spiel solange nicht, bis er den Rasen berührt und sich schwungvoll bekreuzt hat.

Lokomotiv-Spieler Dmitrij Sytschew und sein attraktives Nicht-Rasiert-Sein im Spiel der Russlandsmeisterschaft: Dynamo (Moskau) – Lokomotiv (Moskau) – 4:1. Moskau, 2011. © Wladimir Astaprovitsch/TASS 


Ehemaliger Zenit-Spieler Konstantin Zyrjanow zog seine Fußballschuhe an immer von links beginnend und Ex-Spieler der Nationalmannschaft Igor Semschov tat seinen ersten Schritt auf dem Rasen mit dem linken Fuß.

Der Spieler der russischen Nationalmannschaft und des Londoner Arsenal Andrej Arschavin hatte am Spieltag eine noch komischere Tradition – der Spieler redete mit seiner Partnerin weder persönlich noch am Telefon. Als der Stürmer für Zenit gespielt hat, fiel das leichter – die Mannschaft wurde am Tag vor dem Spiel eingeschlossen, deswegen reichte es, wenn man einander einfach nicht angerufen hat. Nach dem Wechsel zum Londoner Arsenal ist das Schweigen schwieriger geworden. In England ist die Unterbringung in der Sportstation nicht üblich und am Spieltag traf die Mannschaft sich unmittelbar vor dem Spiel. Man kann es sich nur vorstellen, wie Arschawin den ganzen Morgen so tut, als ob er seine Frau nicht sehen würde. 

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