Russland umarmen

Die Geschichte eines Anhalters aus Kirow

27 April 2017

Am 31. März ist der Kirower Ewgenij Gluschajew zu einem Marathon Wladiwostok – Sewastopol gestartet. Die Idee für diese Reise kam ihm im vergangenen Jahr während seiner Asienreise in den Sinn. In den letzten Jahren hat er per Anhalter 15 Länder bereist, doch die bevorstehenden 12000 Kilometer plant er ausschließlich zu laufen.

Welcome2018.com erzählt die Geschichte des russischen Forrest Gump aus Wjatka.


In Indien, Kashmir © Foto aus dem Privatarchiv   

Per Anhalter zum Kindergarten

Evgen, wie sich Gluschajew selbst nennt, ist in Kirow geboren und aufgewachsen, besuchte die örtliche Universität und hat bisher als Wachmann, Fotograf, Computerfachmann, Erzieher, Tourismusinstrukteur sowie als industrieller Alpinist gearbeitet. Seine ersten Reisen unternahm er bereits im Kindesalter, seine erste bewusste Erinnerung: die Reise durch eine leere Wohnung.

Als ziemlich ungewöhnlich bezeichnet Gluschajew seine erste Reisen per Anhalter: die Fahrten zum Kindergarten ans andere Ende der Stadt. Denn die Fahrt in den öffentlichen Verkehrsmitteln Kirows war für Vorschulkinder kostenlos, und einem Fünfjährigen hat man keinerlei Fragen gestellt. Nachdem er für das letzte Jahr in einen anderen Kindergarten wechselte, musste er bereits das Fahren per Anhalter sinnbildlich gesprochen in Laufen umwandeln.


In Indien, Uttar-Pradesh © Foto aus dem Privatarchiv

Von “Orljonok” im KAMAZ

Die erste richtige Fahrt per Anhalter von Gluschajew hängt mit dem Süden Russlands zusammen. Nachdem der Kirower in Erfahrung gebracht hatte, dass die Betreuer im Sommerlager “Orljonok” fünf Monate lang am Meer wohnen, hat er den Vorbereitungskurs absolviert und sich für diesen Job beworben. Vor Ort nutzte er seine Freizeit, um nahegelegene Städte kennen zu lernen, und per Anhalter war es nicht nur schneller und interessanter, sondern auch, und das ist das Wichtigste, billiger, eben genau um die Preis des Bustickets.

“Das Ganze ist vergleichbar mit der Leidenschaft, wenn beim Angeln ein Fisch angebissen hat: Du weißt nie, was Du bekommst: einen schnellen oder bequemen Flitzer oder z.B. einen KAMAZ aus Sowjetzeiten.”, schreibt Gluschajew. “Außerdem ist da noch die Unterhaltung mit dem Fahrer und die Chance, jederzeit anzuhalten und auszusteigen.”


Auf Wanderung in Adygeja © Foto aus dem Privatarchiv

Mit 40000 Rubeln durch 10 Länder

Die internationale Bühne betrat Gluschajew Ende 2014. Ende Oktober schnürte der Mann aus Wjatka seinen 95l-Rucksack, er beschränkte sich auf das Wesentlichste: Standardbekleidung, Technik und persönliche Dokumente.

Im ersten Auto saßen Jungvermählte mit einer Katze, und insgesamt musste er am ersten Tag sechsmal nach Mitfahrgelegenheiten suchen. Nichtdestotrotz hatte er bis 2 Uhr in der Nacht fast 800 Kilometer zurückgelegt.  Und nachdem er in Moskau angekommen war, hat er im Auto übernachtet. Seitdem ist diese Möglichkeit der Übernachtung zur Alltäglichkeit geworden.

In fünf Monaten hat Gluschajew 10 Länder bereist: Kasachstan, Usbekistan, Kirgisien, China, Vietnam, Laos, Thailand, Kambodscha und Indonesien. Sein Reisebudget betrug 40000 Rubel, größtenteils für Essen, Bekleidung und die Ausstellung von Dokumenten.

Unterwegs gelang es Gluschajew auch, Geld zu verdienen: in China beispielsweise haben ihm die Einheimischen für gemeinsame Fotos Geld bezahlt, zudem hat er in den meisten Ländern auch Geld für Fahrkarten geschenkt bekommen.


In Indien, Kashmir © Foto aus dem Privatarchiv

Die Sattelung des Elefanten und die Besteigung des Mount Everest

Eine wesentliche Motivationsquelle für den Wanderer aus Wjatka ist seine Liste der Dinge, die er in seinem Leben umzusetzen plant. Ein Großteil der Aufgaben sind im Maßstab nicht sonderlich vergleichbar, z.B. konnte Gluschajew bereits Folgendes abhaken: “100000 km per Anhalter” und “Lernen mit Nadel und Faden umzugehen”. Vor ihm stehen noch solche Aufgaben wie: “Tauchgang in der Nähe Weißer Haie”, “Fallschirmsprung” und “Floßfahrt auf dem Amazonas”.

Zu einer der schwierigsten Aufgaben, der Besteigung des Mount Everest, fehlten dem “Forrest Gump aus Wjatka” lediglich 3,5km, auf seiner Reise nach Indonesien 2016 feierte er seinen Geburtstag im Basislager des Mount Everest in einer Höhe von 5364 Metern. An eben diesem Tag kam ihm die Route seiner bislang wichtigsten Reise in den Sinn: zu Fuß von Wladiwostok nach Sewastopol.


In Nepal, Khumjung © Foto aus dem Privatarchiv

“Russland durchlaufen”

12000 Kilometer laufend, ohne jedes Hilfsmittel - genau darin liegt die Grundidee der Reise, auf die Gluschajew am 31. März gestartet ist. “Der Leitfaden der Reise” sieht folgendermaßen aus: Wladiwostok – Ussurijsk – Chabarowsk – Birobidshan – Tschita – Ulan-Ude – Angarsk – Krasnojarsk – Nowosibirsk – Omsk – Kurgan – Tscheljabinsk – Jekaterinburg – Atschit – Perm – Kirow – Kasan – Uljanowsk – Wolgograd – Rostow – Noworossijsk – Gelendschik – Sewastopol.

Pro Tag läuft Gluschajew ca. 50 Kilometer, in seiner Freizeit hört er Musik und Hörbücher, tauscht sich mit den jeweiligen Ortsansässigen aus oder schreibt an seinem Blog weiter. Den Verlauf seiner Extremreise kann man in den sozialen Netzwerken bei „Vkontakte“ verfolgen, wo auch die Tagebücher sämtlicher seiner bisherigen Reisen gesammelt sind.

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