Länderüberschreitend

Soloweltreise auf dem Motorrad

19 Mai 2017

Der russische Motorradfahrer Oleg Charitonow fährt nunmehr seit 2,5 Jahren auf seinem Motorrad um die Welt. In der vergangenen Woche beendete er seine Afrikaetappe und ist nach Südamerika geflogen. Er hat bereits 110 000 Kilometer zurückgelegt und weilte in 61 Ländern.

Welcome2018 erzählt die Geschichte dieses ungewöhnlichen Projektes.


In Thailand © Foto aus dem Privatarchiv

Alles begann mit einem Tandem. Gemeinsam mit seinem Sohn Mischa hat Oleg Halbeuropa bereist: 3000 Kilometer von Berlin über Paris und die Alpen nach Prag. Das Abenteuer wurde zu einer harten Schule: ohne jede Erfahrung mehrtägiger Radreisen musste Charitonow unterwegs so manche Erfahrung machen. Später erzählte Charitonow, dass der Grund für diese lange Reise die Missverständnisse zwischen ihm und seinem Sohn waren, und dass die Reise dazu diente, diese Probleme zu überwinden, und schließlich dazu beitrug, ein höheres Niveau von Vertrauen und Nähe zueinander zu erlangen.


Reiseroute Oleg Charitonows © Foto aus dem Privatarchiv
Nach Rückkehr in die Heimat begnügte sich Charitonow nicht mit dem Erreichten. Mit der Zeit erreichte der Plan einer neuen Reise konkrete Züge: 800 Tage, 155 000 Kilometer, 65 Länder in fünf Kontinenten, und diesmal allein. Für diese Reise hängte Oleg das Fahrrad an den Nagel, Route und Ausmaß der Reise forderten ein leistungsstärkeres Fortbewegungsmittel. Am Ende fiel seine Wahl auf das Motorrad, denn er war von seiner hohen Geschwindigkeit gepaart mit dem Benzinverbrauch und seiner relativen Leichtigkeit der Fortbewegung zwischen den Kontinenten überzeugt. Als Vorbild dienten ihm andere Biker, z.B. der Amerikaner Alex Chakon, der 132 705 Kilometer in 503 Tagen zurücklegte, sowie der Englänger Walter Colebatch und das Paar aus Estland, die 2009 die Welt umsegelten.


In Myanmar © Foto aus dem Privatarchiv

Ungeachtet seiner ambitionierten Pläne hat sich Charitonow nie als Motorradfan bezeichnet und war auch nie Mitglied eines Motorradklubs. In der Regel begannen alle bekannten Motorradreisenden mit Fahrten in der Heimatregion, und dann packte sie die Reiselust und die fuhren in die Welt hinaus. In der Geschichte Charitonows stand an oberster Stelle zuallererst die Idee der Reise. Und das Motorrad kam, obwohl er sich schon als Kind dafür begeisterte, erst später dazu, und auch nur deshalb, weil es sich für diese Weltreise als eines der besten Transportmittel anbot.


Beginn der Reise, Russland © Foto aus dem Privatarchiv

Oleg schrieb über sich selbst: “Ich bin ein ganz gewöhnlicher Mensch, der sich durch nichts Herausragendes von allen anderen gewöhnlichen Menschen unterscheidet.” Dennoch hat er eine Mission, die er auf jeden Fall erfüllen möchte: er möchte an seinem eigenen Beispiel beweisen, dass jeder es schafft, über sich hinauszuwachsen, seine Ängste überwinden und einen neuen Weg einschlagen kann, wenn er es wirklich will.


In Deutschland © Foto aus dem Privatarchiv

Charitonow ist am 20. August 2014 in Moskau gestartet, hat Russland in Richtung Osten durchquert, eine Rundreise durch Südosteuropa gemacht, ist von dort in Richtung Mittlerer und Naher Osten weitergereist, hat alle Länder Europas besucht und ist entlang der Westküste Afrikas von Marokko nach Südafrika gefahren. In der Republik Kongo hat man Oleg Malaria diagnostiziert, in Nigeria wurde er überfallen, in Namibia versuchte man, ihn auszurauben, und in Burkina Faso musste er vor Elefanten flüchten.


In Laos © Foto aus dem Privatarchiv

Derzeit befindet sich Charitonow in Argentinien und bewegt sich in Richtung der südlichsten Stadt Ushuaia. “Dort endet das Festland, und dort auch ist ein wesentlicher Scheidepunkt meiner Reise: von Ushuaia fahre ich nach Hause”, erzählt Charitonow. Seinen Worten zufolge hatte er keinen genau vorgeschriebenen Zeitplan für seine Reise, und er weiß auch nicht, wie genau seine Route verläuft. “Doch ich handle nach einer Grundregel: ich vertiefe mich nicht zu sehr in das, was vor mir liegt. Deshalb wartet auf mich vor allen Dingen immer die Ungewissheit. Und gerade das ist das Interessanteste für mich.”


In Italien © Foto aus dem Privatarchiv
Von Argentinien fliegt der Weltenbummler nach Alaska, von dort aus durchquert er ganz Russland bis nach Moskau. Oleg plant seine Ankunft in der Hauptstadt Russland für August 2018. Bis heute liegen bereits 110 000 Kilometer hinter ihm.

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