Auf den Spuren von Mourinho

Wie man professioneller Fußballtrainer wird

04 April 2017

Ich möchte professioneller Fußballtrainer werden. Muss man unbedingt Sport studieren?

Nicht unbedingt. Nach Anweisung des Ministeriums für soziale Entwicklung, soll ein Trainer bei seiner Einstellung über eine höhere oder mittlere berufliche Qualifikation verfügen: Entweder im Sport, oder einem anderen Bereich mit zusätzlicher Qualifikation im Bereich der Körperkultur und des Sports. Aber diese Anweisung lässt auch Ausnahmen zu. So kann man sie auch ohne professionelle Ausbildung einstellen, nachdem sie eine Überprüfung zur Einstufung als Trainer durchlaufen haben. Insgesamt gibt es dabei fünf Kategorien: die erste, die zweite, die höhere, die nationale und die olympische, wobei die erste, zweite und höhere eine Kommission vergeben kann, die die Sportschule selbst stellt.

Auf diese Weise kann eine Sportschule Trainer, an denen sie interessiert ist, auch einstellen, wenn sie keine professionelle Ausbildung haben. 

Welche Anforderungen werden an Trainer für Kinder außerdem gestellt?

Viele Schulen beschränken sich nicht auf diese Einstufung in Trainerkategorien und bestimmte Ausbildung. Das Reglement der Moskauer Meisterschaften der Kinder- und Jugend-Sportschulen verpflichtet zum Beispiel alle Trainer, eine Lizensierung der russischen Trainerakademie vorzuweisen.


© Stanislav Krasilnikow/TASS

Welche Lizenzen kann man bei der Trainerakademie bekommen?

C, B-Jugend, A-Jugend, B-UEFA, A-UEFA und UEFA-PRO. Der Lizensierung unterliegen auch Fitness-Trainer und Torwart-Trainer. Das Programm der „Jugend-Lizenzen“ ist auf die Arbeit mit jungen Fußballern ausgerichtet, „UEFA“- mit erwachsenen Profis, man kann auf Wunsch auch beide bekommen -  dafür muss man unterschiedliche Ausbildungspläne absolvieren. Um mit der Ausbildung mit der nächst höheren Lizenz weiterzumachen muss man wenigstens ein Jahr mit der schon erworbenen gearbeitet haben.

Ist eine C-Lizenz ausreichend für die Arbeit mit Kindern?

ДJa. Die C-Lizenz gestattet die Arbeit mit Kinder- und Jugendgruppen, im Bereich des Freizeitsports, in Klubs der Nationalliga sowie mit Zweitmannschaften  der Klubs der Russischen Fußballpremiumliga.  

Welche Ausbildung fließt in den Erhalt der C-Lizenz ein?

Es handelt sich um eine Direktausbildung im Umfang von 124 Stunden zu „Theorie und Methodik des Kinder- und Jugendfußballs“. Die Ausbildung erfolgt ganztags im Verlaufe mehrerer Wochen. Am Ende des Lehrgangs steht eine zweitägige Prüfung, bestehend aus Theorie und Praxis. Der praktische Prüfungsteil umfasst das Erstellen und Verteidigung eines Trainingsplanes, in der Theorie wird Fachwissen abgefragt.


© Valerij Matyzin ‚ TASS

In welchen Städten werden die Kurse zur Lizensierung angeboten? Gibt es auch Fernkurse?

Nein, es gibt keinerlei diesbezüglichen Fernkurs, zudem besteht Anwesenheitspflicht für sämtliche Ausbildungstage. Die C-Lizenz kann man in allen regionalen Trainerausbildungsstätten erwerben, in Moskau, St. Petersburg, Omsk, Jaroslawl, Woronesch, Krasnodar und Wolgograd. Die Ausbildung zu sämtlichen anderen Trainerlizenzen erfolgt ausschließlich an der Trainerakademie in Moskau.

Gibt es für diesen Beruf altersbedingte Einschränkungen?

Nein, allerdings nimmt die Moskauer Trainerakademie ausschließlich Bewerber mit Hochschulabschluss auf. Das bedeutet, dass die Absolventen in der Mehrheit älter als 20 Jahre sind.

Gibt es einen bekannten russischen Trainer, der seine Karriere im Bereich des Kinder- und Jugendfußballs begonnen hat?

Ja, z.B. Leonid Slutzki, verdienter Trainer Russlands, unter seiner Leitung hat ZSKA Moskau dreimal die Meisterschaften, zweimal den Pokal und einmal den Superpokal Russlands gewonnen. Wegen eines Unfalls endete seine Spielerkarriere mit 22 Jahren. Bereits in diesem Alter hat er die 12-Jährigen des Wolgograder Fußballklubs „Olympia“ trainiert. Aus diesem Team stammen Roman Adamow und Denis Kolodin, Bronzemedaillengewinner der EURO2008 mit der russischen Nationalmannschaft. Von den derzeit 16 Fußballcheftrainern der Premiumliga starteten Gadzhi Gadzhiew („Amkar“), Javi Gracia („Rubin“), Aleksandr Grigorjan („Anzhi“), Ivan Danijanz („Rostow“) und Massimo Carrera („Spartak“) im Bereich des Kinder- und Jugendsports.

In welcher Fußballschule für Kinder und Jugendliche würde man mich annehmen?

Das hängt von Ihren Fähigkeiten ab. Die Schulen könnte man in drei Kategorien unterteilen: Akademien bei Profifußballklubs, staatliche Fußballschulen und private Sektionen. Am schwersten ist es selbstverständlich, bei ersteren angenommen zu werden, meist arbeiten hier erfahrene, namhafte Fachkräfte oder Ex-Profifußballer.

Einfacher ist es hingegen an Schulen zu gelangen, die staatlich finanziert sind, da es wesentlich mehr davon gibt. Hinzu kommt, dass an den großen Akademien ein Team in der Regel von mindestens zwei Trainern betreut wird, an den staatlichen Schulen man als einzelner Trainer meist mehrere Gruppen begleitet.

Die privaten Sektionen unterscheiden sich teilweise sehr. Die Anforderungen an Bewerber können sehr voneinander abweichen: mancherorts ist die Berufserfahrung in diesem Bereich wichtig, woanders schaut man auf das Vorhandensein von Ausbildungsabschlüssen, und für jemand Anderen ist der Wunsch mit Kindern arbeiten zu können das Wichtigste. Ungeachtet dessen kommt es nicht selten vor, dass kommerzielle Fußballschulen gern auch Trainer ohne Hochschulabschluss im Bereich Sport und teilweise auch ohne Trainerlizenz einstellen.


© Andrej Kholmow / TASS

Welchen der Kinderfußballtrainer konnte man kürzlich im Fernsehen sehen?

Zum Beispiel den Bosnier Elver Rachimich. Innerhalb von 14 Jahren war er für ZSKA Moskau in 240 Spielen im Einsatz, und 2015 begann er mit jugendlichen Fußballspielern des Jahrgang 2003 zu arbeiten. Es gehört in der ZSKA-Akademie zur gängigen Praxis, auf ehemalige Fußballspieler zurückzugreifen. So auch bei „Spartak“ und „Dynamo“.

Wie viel Geld kann ein Fußballtrainer verdienen?

Das durchschnittliche Einkommen eines Fußballtrainers beträgt 30000 Rubel (nach Angaben des Portals trud.com), in Moskau 5000 Rubel mehr. Wesentlich höher ist das Gehalt eines Trainers im Profifußballklub, allerdings gibt es in Russland davon nur 94: 16 in der Premiumliga, 20 in der Landesliga und 58 in der Profiliga. Weltweit am meisten verdient Marcello Lippi, 2016 hat Chinas Fußballföderation dem Triumphator der WM 2006 einen Jahresvertrag von 18 Millionen Pfund angeboten. Selbstverständlich ist diese Summe mit dem Gehalt eines gewöhnlichen Trainers keinesfalls vergleichbar. Das Einkommen der Trainer Profiliga entspricht meist der Höhe vergleichbarer Gehälter der entsprechenden Region.

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