Ein „Russian eskimo“ in Bali

Die Geschichte eines „Travelivers“ aus Jakutien
22 Februar 2017
Vor zehn Jahren verließ Marija Dubrowskaja ohne Rückfahrkarte St. Petersburg in Richtung Indien. Nach ihren Berechnungen reichte das ersparte Geld für ein halbes Jahr. Es stellte sich heraus, dass es sich auf Reisen billiger leben ließ als zu Hause, und das Geld konnte man durch Design und Fotografie verdienen. Seitdem hat Dubrowskaja Indien, Thailand, Indonesien, die Philippinen, China, Nepal, Malaysia, die Mongolei, Hongkong, Sri Lanka und die Türkei besucht. Der Reisende geht es nicht um eine große Anzahl besuchter Länder und sie zieht es vor, lange an verschiedenen Orten zu leben. Sie nennt sich Traveliver - eine Person, die auf Reisen lebt.

Alles begann im Spätherbst 2005. Maria Dubrowskaja zog von Jakutsk nach St. Petersburg, arbeitete als Fotograf und las Blogs über eine Reise durch Indien. Im Jahr 2006 beobachtete sie indische Freunde auf LJ (Livejournal, eine Online-Plattform für digitale Tagebücher, - Anm. Welcome2018), und im August begann sie, Geld für ihre eigene Reise zu sparen. Am 6. Januar 2007 flogen Maria und ihre Freundin aus Jakutsk zuerst nach Mumbai. Obwohl sie nach einem Monat zurückkamen, hatte Dubrowskaja dort ihre virtuellen Freunde kennengelernt und erkannt, dass man einfach für eine unbestimmte Reise sparen kann. Von diesem Augenblick an beschloss sie, mit dem zurückgelegten Geld zu reisen.
Maria im Zug während der Reise durch Indien. © Foto aus dem persönlichen Archiv
Mit der Rückkehr nach Moskau beginnt die Geschichte vom "Traveliver" (vom englischen traveliving, - Anm. Welcome2018 ) - ein Leben auf Reisen. In den nächsten sechs Monaten nahm Dubrowskaja jede Arbeit an, sparte das Geld und versuchte, so viel wie möglich für die zukünftige Reise zurückzulegen. Alle Ersparnisse tauschte sie in Gedanken in Rupien um (indische Währung. - Anm. Welcome2018). Eine Fotoaufnahme konnte zum Beispiel 2500 Rupien einbringen, was für fünf Reisetage reichen würde. Schließlich gelang es Maria etwa $ 5.000 zu sparen, und am 31. Mai 2007 verließ sie Moskau. Nachdem sie durch Tuva, die Mongolei, China und Nepal gereist war, erreichte sie am 1. September Indien.
Auf dem aktiven Vulkan Bromo, Indonesien. © Foto aus dem persönlichen Archiv
Große Popularität brachte Dubrowskaja ihr Blog. Der erste Post in ihm erschien am Tag des Abflugs aus St. Petersburg. Mit der Zeit wurde er zur Hauptwebseite, die auf Russisch über traveliving erzählte. Die Website diente auch als Haupteinnahmequelle: durch Werbung klappte es, 300 bis 500 Dollar pro Monat einzunehmen. Um dieses Geld kontinuierlich zu erhalten, musste der Blog zwei- oder dreimal pro Woche aktualisiert werden. Ein Artikel konnte Stunden oder sogar Tage erfordern. Jetzt wird die Website fast nie aktualisiert, Dubrowskaja beschreibt ihr Leben in Facebook und Instagram, und traveliving.org bleibt eine Enzyklopädie des Lebens und Reisens in Südostasien.

5 Dinge, die für das Reisen in Asien unentbehrlich sind *:

● Leichter Schlafsack
Denn in einigen Herbergen und Pensionen gibt es keine Decken oder anständige Bettwäsche. Und der Schlafsack wird bei langen Fahrten in Bussen und Zügen nützlich sein.

● Taschenlampe
Denn in Asien, insbesondere in Indien, wird der Strom oft abgestellt.

● Feuchttücher
Denn sie retten in der Hitze und beim Reisen mit dem Fahrrad auf staubigen Straßen.

● Moskitomittel
Weil es in Asien viele Moskitos gibt und sie sehr schmerzhaft stechen.

● Verteiler und/oder Verlängerungskabel
Weil die Räume selten mehr als eine Steckdose haben.

*Basierend auf der Website traveliving.org.

Papierpuppen von Dubrowskaja werden auf der ganzen Welt verkauft. © Foto aus dem persönlichen Archiv
Die Idee des traveliving ist die Abwesenheit von Eile und das tiefe Eintauchen in das lokale Leben. Im Gegensatz zum traditionellen Tourismus haben die Traveliver nicht das Ziel, neue Orte zu sehen und so viele Eindrücke wie möglich zu bekommen. Zuerst konzentrieren sich solche Leute auf das, was sie für sich selbst tun möchten. Wie Dubrowskaja erzählt, ist es für den einen Yoga, für einen anderen - Stickerei oder Massage oder Capoeira, und vielleicht sogar die Erziehung der Kinder - die Traveliver haben viel Zeit dafür. Gleichzeitig unterscheidet sich die Traveliving von der Auswanderung - der Unterschied besteht darin, dass es keine Notwendigkeit gibt, sich irgendwo niederzulassen, um Arbeit und eine dauerhafte Bleibe zu suchen. Die Hauptsache ist, seine Wurzeln nicht zu tief zu schlagen und immer bereit zu sein, den Rucksack zu packen und in ein anderes Land gehen.
Sonnenuntergang in Labuan-Baggio, Indonesien. © Foto aus dem persönlichen Archiv
Heute ist die Haupteinnahmequelle von Dubrowskaja der Verkauf von handgemachten Puppen aus Papier. Die Ideen schöpft sie aus den Religionen, Märchen, Mythen und einfach der sie umgebenden Welt. Die Puppen werden weltweit gekauft, bis heute wurden bereits 1876 verkauft. Neben dem Kunsthandwerk, das sich in ein kleines Geschäft verwandelte, interessiert sich die Reisende für das Kite-Surfen, so dass jetzt Dubrowskajas Hauptkriterien bei der Wahl eines neuen Lebensortes die Verfügbarkeit von Kitespots und gutem Wind sind.

Lektionen im Kitesurfen, Türkei. © Foto aus dem persönlichen Archiv
 


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