"Alle Bremsen sind im Kopf"

Geschichte eines Autofahrers aus Yamal

20 April 2017
Im Februar dieses Jahres ging der Reisende Andrej Menschikow auf eine Yamal-Sachalin-Expedition, gewidmet dem 70. Jahrestag der Entstehung des östlichsten Verwaltungsgebiets Russlands - der Sachalinregion. Für eine Strecke von 4 000 Kilometern braucht Menschikow etwa zwei Monate, das Hauptziel der Autotour ist es, eine gesunde Lebensweise zu fördern und die Aufmerksamkeit der Russen auf den Inlandstourismus zu lenken. Welcome2018.com erzählt die Geschichte eines ungewöhnlichen Reisenden aus Yamal.

Andrej Menschikow ist Absolvent des Polytechnischen Instituts des Urals im Fach „Automatik und Telemechanik“, Mitglied der russischen Geographischen Gesellschaft und Auto-Reisender. Er lebt in der Yamaler Siedlung Purpa, arbeitet als Serviceleiter für Betriebs-, Meß-, Steurungs- und Regeltechnik. Der Reisende hat mehr als 30 Jahre Erfahrung, Ruhm bekam er aber erst letztes Jahr dank seines Projektes "die Große Nordtour-2016".
© Foto aus dem persönlichen Archiv
"die Große Nordtour-2016" war zeitlich abgestimmt mit dem 400. Jahrestag der Nordmeerpassage, des kürzesten Seewegs zwischen dem europäischen Teil Russlands und dem Fernen Osten. In 48 Tagen legte Menschikow zusammen mit seinem Kollegen Alexander Jelikow die Strecke von 16 Tausend Kilometern zurück, durchquerte sechs Zeitzonen und fuhr entlang des gesamten Laptev-Meeres. Einer der wichtigsten Erfolge war die Eroberung des nördlichsten Kontinentalpunktes von Russland - Kap Tscheljuskin - mit dem Pkw.
Menschikow (rechts) mit seinem Freund Alexander Yelikow. © Foto aus dem persönlichen Archiv
Nach Menschikows Worten erfordern solche Reisen große Vorbereitungen. Eine Voraussetzung für solche Erfolge ist die Fähigkeit, zu überleben, die Bereitschaft, das Auto jederzeit zu verlassen und zu Fuß zu gehen. Der Weg nach Tscheljuskin führt über die Halbinsel Tajmyr, wo die Entfernung zur nächsten Siedlung manchmal Tausende von Kilometern erreicht. Besondere Aufmerksamkeit verdient das Verhalten der einheimischen Tiere, ihnen sind Menschen so ungewohnt, dass sie sie, auch nur ein paar Meter entfernt, buchstäblich nicht bemerken. Wie Menschikow bemerkte, sind die Menschen auf Taimyr „keine Futterbasis, keine Feinde" für sie, und am meisten wunderte sich der Kapitän eines Atom-Eisbrechers, der in der Nähe vorüberzog.
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Ein weiterer Rekord von Menschikow ist die Eroberung des Dorfes Dixon, des nördlichsten Orts der Erde. Der Anreiz, zu ihm zu gelangen, ergab sich dank des bekannten TV-Moderators Andreij Leontjew. In dem Programm, das sich schwer zugänglichen Siedlungen widmete, erwähnte er Dixon als einen Platz, der für Autos unerreichbar war. Eine solche Aussage nahm Menschikow, zusammen mit seinem Freund Alexander Jelikow als Herausforderung, woraufhin die japanischen "Mitsubishi" das Ziel erreichten.
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Eines der Hauptprobleme bei Autotouren im Fernen Norden ist der "schwarze Schneesturm", ein Schneesturm, bei dem die Windgeschwindigkeit 40 m / s übersteigt und der Schneesturm zu einem Hurrikan wird. Während der vorherigen Reise nach Sachalin suchte er die Reisenden alle zwei Wochen heim. Zu den Launen des Wetters verhält sich Menschikow philosophisch: "sollst du den Schneesturm abwarten, dann setzt du dich und wartest den Schneesturm ab." Und oft musst du mehrere Tage warten, dann steigst du durch die Seitenscheibe aus und gräbst stundenlang wie ein Hund nach dem Kofferraum.
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Trotz der beeindruckenden Erfahrung von Autoreisen begann Menschikow vor einem Jahr, den heimischen Offroader "Niva" zu fahren. Er erklärt die Wahl der Maschine damit, dass die Menschen sich oft zu reisen weigern wegen des Mangels an einem geeigneten Auto. Um ihnen dieses Argument zu nehmen, begann Menschikow, mit dem billigsten SUV zu reisen, der in Autohäusern verfügbar war. "Ich habe ihn im Laden gekauft, ich setzte mich hinein und fuhr 33 000 Kilometer" - so beschreibt er seine Reisemethode. Nach Menschikow kann man ernsthafte Probleme mit jedem Auto vermeiden, wenn man sich rechtzeitig die Frage stellt „Warum soll man in den Schlamm, wenn man ihn umfahren kann?"

Die Hauptsache auf der Reise ist nicht, unpassierbare Sümpfe zu erobern, sondern neue Leute und Orte zu erleben. Den Menschen ohne Autos rät Menschikow: "Nun, du hast kein Auto, dann zieh deine Laufschuhe an und lauf los. Die Reise hindert das nicht, alle Bremsen sind nur im Kopf. "

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