Theater "Praktika"

Das junge Dramentheater, das zwei Hauptausrichtungen im Repertoire hat: neue russische Dramaturgie und Aufführungen für Kinder. Gegründet im Jahr 2005, wechselten sich in zehn Jahren zwei starke künstlerische Leiter ab, wobei es das Image eines fortschrittlichen, angesagten Theaters für ein betuchtes Publikum bewahrte, das nichts gegen neue Formen, Themen und eine neue Sprache hat. Allerdings ist seine Arbeit bei der Erschließung des neuen Dramas nicht so bedeutend im Vergleich mit der Theaterkunst für Kinder. So hat das "Praktika" zweimal den bekannten französischen Regisseur Joël Pommerat eingeladen, der zunächst das Stück "Dieses Kind" über familiäre Konflikte und Probleme von Jugendlichen und danach "Pinocchio" inszenierte, ein ebenfalls schwieriges, überhaupt nicht lustiges Stück für Kinder im Alter von 8-12 Jahren, das dadurch erstaunt, in welchen tragischen Farben zuweilen Kinder ihre Umgebung sehen. "Pinocchio" zeichnete sich ebenfalls durch eine komplizierte Szenographie und Spezialeffekte aus. Jetzt wird im Theater "Aschenputtel" nach einem Stück von Joël Pommerat in der Inszenierung von Martha Horowiz für Jugendliche ab dreizehn Jahren gespielt, in dem das alte Märchenmotiv für ein Gespräch mit dem Publikum über psychische Traumata bei Kindern und andere mentale Probleme von Teenagern genutzt wird. In dieser Art ist auch "Agatha kommt zurück nach Haus" (8+) von Eduard Bojakow und Filipp Grigorjan nach einem Märchen von Linor Goralik über die Abenteuer eines achtjährigen Mädchens inszeniert, das lernt, ernsthafte Entscheidungen zu treffen, Versuchungen zu widerstehen und mit dem Gefühl der Schuld gegenüber den Eltern zu leben. Das Repertoire des "Praktika" ist jedoch mit experimentellen Aufführungen über Probleme der kindlichen Psyche natürlich nicht erschöpft. Hier kann man das Einpersonenstück von Alisa Grebentschikowa "Igelchen und Bärchen" (4+) nach Motiven des bekannten Kinderbuches von Sergej Koslow sowie die Aufführung "Pjotr und Fewron Muromskij" (10+) nach altrussischen Texten zur Musik von Alexander Manozkow, eines der führenden russischen Komponisten" sehen.