Nowodewitschi-Kloster

Nikolaj Galkin/TASS

Das Nonnenkloster wurde im XVI. Jahrhundert vom Fürsten Wassili III, dem Vater des Zaren Iwan des Schrecklichen, gegründet. Im Jahre 1514 versuchte er von Litauen Smolensk zurückzuerobern, und stehend an den Stadtmauern sagte der Fürst: "Wenn um Gottes Willen ich mein Vaterland, die Stadt Smolensk und das Smolensker Land erobere, dann baue ich in Moskau auf dem Land ein Nonenkloster, und darin eine Kirche im Namen der Allerheiligsten". Zehn Jahre später geschah dies. Sofort nach der Gründung und im Laufe der folgenden zwei Jahrhunderte waren in den Klostermauern in Ungnade gefallene Zaren- und Hofbräute festgehalten. Es gibt die Meinung, dass der Bau des Klosters mit dem Wunsch von Wassilij III zusammenfiel, sich von seiner ersten Frau Solomonija Saburowa zu trennen, die später zur Nonne Sophia wurde. Der 26-jährige Wassilij wählte Solomonija zu seiner Ehefrau, nachdem er 500 potenzielle Bräute beschaut hatte. Aber nach 20 Jahren der Ehe wurde es offenbar, dass Solomonija kinderlos ist. Der Fürst beschloss, eine neue Frau zu finden. Seine erste Frau schickte er in das Kloster, allerdings in ein anderes, in das Roschdestwenskij Kloster. Nach der Legende gebar hier die entehrte Zarin sofort einen Jungen, der zu dem berühmten Räuber Kudejar wurde, einer der umstrittensten Figuren der Russischen Geschichte. Später wurden in das Kloster Nowodewitschij hochrangige Witwen und einfache Edelfrauen, die in Ungnade gefallen waren, verbannt. Die bekanntesten von ihnen, die Zarentochter Sophia, die ältere Schwester von Peter I, die von ihrem Bruder wegen der Organisation eines politischen Aufstandes in das Kloster gesperrt wurde und die Frau von Peter I, Evdokija Lopuchina, die, weil sie für ihren Mann nicht mehr von Nöten war, fast mit Gewalt die Nonnenweihe erhielt.

Nowodewitschi ist eines der seltenen russischen Klöster dessen Antlitz, das innerhalb der Zeitperiode vom XVI. bis zum XVII. Jahrhundert gebildet wurde, sich praktisch nicht verändert hat. Das Kloster gilt als eines der auffälligsten des sogenannten Moskauer oder Naryschkin-Barocks – des Stils, der in Moskau an der Wende des XVII. und des XVIII.  Jahrhunderts entstanden war. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Klosters sind die Kathedrale mit fünf Kuppeln zu Ehren der Gottesmutter von Smolensk, erbaut nach dem Vorbild der Mariä-Entschlafens-Kathedrale des Kremls, – hier sind Fresken aus dem XVII. Jahrhundert erhalten geblieben. Desweiteren, ein 72 Meter hoher Glockenturm, der zweithöchste in Moskau nach dem Kreml-Glockenturm  Iwan des Großen und die Gemächer von Evdokija Lopuchina, an deren Wand die älteste in Moskau erhaltene Sonnenuhr zu sehen ist. Am Kloster ist ein Friedhof, auf dem viele berühmte Persönlichkeiten vom Schriftsteller Nikolai Gogol bis zum ersten russischen Präsidenten Boris Jelzin beigesetzt wurden. Nach der Besichtigung des Klosters und dem Versuch, sich vorzustellen, wie in diesen festlichen Mauern königliche Ehefrauen schmachteten, kann man zum Nowodewitschi Teich spazieren gehen, um den sich schöne grüne Rasen ausbreiten. Am Teich ist ein lustiges Denkmal, eine Ente mit Entenküken, aufgestellt. Das Kloster steht unter Schutz der UNESCO und Restaurierungsarbeiten erfolgen darin unter sorgfältigster Aufsicht von Historikern.