Herrenhaus von Sirotkin

Pawel Nowikow/Welcome2018.com
Das Haupthaus des Herrensitzes, der einst ein ganzes Viertel belegte, wurde von dem größten Reeder und Bürgermeister von Nischni Nowgorod Dmitrij Sirotkin bei den Architekten und Brüdern Leonid, Wiktor und Alexander Wesnin in Auftrag gegeben. In die Geschichte der Architektur gingen sie in erster Linie als sowjetische Konstruktivisten und Autoren vieler bemerkenswerter Gebäude Moskaus in diesem Stil (Kaufhaus auf der Krasnaja Presnja Straße, Lichatschew-Palast der Kultur) ein, aber der Entwurf des Herrensitzes in Nischni Nowgorod wurde von ihnen 1916 in ganz anderen, vorrevolutionären Traditionen ausgeführt.

Überraschenderweise blieb der Zweck dieses grau-blauen Hauses mit weißen Stuck, Vier-Säulen-Portikus und luftiger Halb-Rotunde, trotz aller historischen Erschütterungen im Laufe der Jahre, unverändert – wie von Dmitrij Sirotkin konzipiert: hier war schon immer ein Kunstmuseum gewesen. Erst 1992 wurde beschlossen, die größer gewordene Ausstellung in das dem Museum übergebene Gebäude im Kreml zu verlegen und das Haus von Sirotkin wurde für die Renovierung geschlossen, die bis 2009 dauerte.

Jetzt ist in der Villa eine Sammlung westlicher Kunst, und im Nebengebäude – das Gemälde von Konstantin Makowskij "Aufruf von Minin an die Bewohner von Nischni Nowgorod" ausgestellt.

Noch eine erhaltene Villa des Herrensitzes von Sirotkin ist ein Beispiel für eine in unseren Tagen hervorragend ausgeführte Restaurierung. Historiker sagen, dass zum Dank für die Pflege und Aufmerksamkeit das Haus sein Geheimnis offenbart hat: während der Arbeit an der Decke wurden bunte Wandmalereien in den Traditionen der kirchlichen Malerei des 16. Jahrhunderts, das heißt, vor den Reformen des Patriarchen Nikon und vor der Spaltung der russischen Kirche, entdeckt. Die Sache ist die, dass Dmitrij Sirotkin Vorsteher einer der altgläubigen Gemeinden von Nischni Nowgorod war, und im Haus sich ein Gebetsraum befand. Für diese Zeit war es eine einzigartige Geschichte: die Autorität von Sirotkin in der Stadt war so groß, dass sogar der Gouverneur angeblich den Antrag des Metropoliten über die Schließung des altgläubigen Gebethauses vom Bürgermeister ignorierte. Dann – zu verschiedenen Zeiten – wurden in der Villa ein Kinderheim, eine Kunstschule und sogar ein Museum für Atheismus untergebracht. Heute befindet sich dort eine Bankfiliale.